08. Mai 2015 | News, Views & Markets

Carbonfasern, Stahl oder Aluminium?

Der Geschäftsführer der Leichtbau BW GmbH, Dr. Wolfgang Seeliger, sieht in Design, Prozessen und Simulation wichtige Themen der Zukunft.
Quelle: Leichtbau BW GmbH

Stahl wird nach Expertenmeinung in absehbarer Zukunft ein wichtiger Werkstoff im Leichtbau bleiben. Faserverstärkte Kunststoffe haben großes Potenzial, in diesem Feld gibt es aber noch großen Forschungsbedarf. Entscheidend ist, dass der Wettbewerb zwischen den Materialien bestehen bleibt, da dies den Standort Deutschland weiter voranbringt. Dies ist der Tenor eines Fachgesprächs beim 2. Technologietag Hybrider Leichtbau. Vertreter großer Autohersteller sowie aus Forschung und Politik erörterten auf der Konferenz am 5. Mai in Stuttgart vor 200 Zuhörern die Frage: "Leichtbaumaterialien: Was bleibt? Was kommt? Was setzt sich durch?"

Dr. Hansjörg Kurz von der Volkswagen AG geht davon aus, dass im Automobilbereich Stahl weiter der dominierende Werkstoff sein wird, da der Schwerpunkt weiter auf der Wirtschaftlichkeit liege. Faserkunststoffverbunde seien in den Anfängen, sagte der Leiter Technologieentwicklung und Produktionsprozess bei VW. Um die Vorteile dieses Werkstoffes aber realisieren zu können, müssten sich die Fahrzeugkonzepte grundlegend ändern. Der Leiter Entwicklung Aufbau bei der Porsche AG, Dr. Werner Tietz, fügte hinzu, "Stahl ist auch in Zukunft unverzichtbarer Bestandteil einer Fahrzeugstruktur".

Anwender und Experten

Der Direktor des Instituts für Textilchemie und Chemiefasern (ITCF) an den Deutschen Instituten für Textil- und Faserforschung Denkendorf (DITF), Prof. Dr. Michael Buchmeiser, sieht die Werkstofffrage weiter offen: "Durchsetzen werden sich Materialien, bei denen Preis und Performance den jeweiligen Produktanforderungen gerecht werden." Ob dies am Ende des Tages die Carbonfaser sein werde, bleibe abzuwarten. Sie habe "wunderbare Eigenschaften und wunderbare Probleme". Es gebe daneben auch viele andere interessante Fasern.

Heinrich Timm, Mitglied des Vorstands Carbon Composites e. V., merkte an, "funktionsabhängig den besten Werkstoff in seiner geringsten Menge am richtigen Platz einzusetzen, das führt zum wirtschaftlichen Leichtbau." Seiner Einschätzung zufolge kommen Leichtmetalle künftig weiter flächendeckend zum Einsatz. "Hochleistungsfaserverstärkte Composites werden eine wertvolle Ergänzung im Portfolio der Leichtbauwerkstoffe."

Der Leiter des Instituts für Fahrzeugsystemtechnik und des Lehrstuhls für Leichtbautechnologie am Karlsruher Institut für Technologie KIT, Prof. Dr.-Ing. Frank Henning, forderte ein besseres Verständnis für die Komplexität von Faserverbundwerkstoffen. Er sprach sich zugleich für eine nationale Koordination der Förderung sowie eine langfristige Befassung mit dem Werkstoff aus. "Wenn wir den aktuellen Vorsprung durch nachhaltige Forschungsprogramme nicht konservieren, dann haben wir viel verspielt."

Der Ministerialdirektor im Finanz- und Wirtschaftsministerium Baden-Württembergs, Guido Rebstock, unterstrich vor den Konferenzteilnehmern die Bedeutung von Leichtbau. Laut einer von der Leichtbau BW in Auftrag gegebenen Studie nutzten mittlerweile rund ein Viertel der Industrieunternehmen in Deutschland diese Zukunftstechnologie. Die Top-Ziele des Landes im Leichtbau seien die Unterstützung von forschungsnahen Einrichtungen sowie die Etablierung einer Fachkräftesicherung und -gewinnung.

Die Ministerialdirektorin im baden-württembergischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, Dr. Simone Schwanitz, sagte in ihrem Grußwort, Leichtbautechnik solle auf dem nationalen und internationalen Markt zu einem "Exportschlager unseres Landes" werden. "Wir reduzieren den Verbrauch und schlagen dem Klimawandel, der Ressourcenverknappung und dem Energieengpass ein Schnippchen. Das ist clever und passt damit zu Baden-Württemberg."

Der Geschäftsführer der Landesagentur für Leichtbau Baden-Württemberg, Dr. Wolfgang Seeliger, gab zum Ende der Konferenz zu bedenken, es sei heute schwer einzuschätzen, welcher Werkstoff sich durchsetze. Er führte als Beispiel an, dass es lange gedauert hat, bis sich der Verbrennungsmotor im Automobil durchgesetzt hat. In England habe es in den 1920er Jahren mehr Elektrofahrzeuge gegeben als solche mit Verbrennungsmotoren. Grundsätzlich geht der Trend nach den Worten Seeligers in den kommenden Jahren hinaus über den klassischen Leichtbau. Die Themen Design, Prozesse und Simulation spielten eine immer wichtigere Rolle.

Beim Technologietag Hybrider Leichtbau tauschten sich in Stuttgart mehr als 200 Experten und Anwender über neueste Trends im Leichtbau aus. Die Konferenz wurde veranstaltet von der Landesagentur für Leichtbau Baden-Württemberg zusammen mit der Allianz Faserbasierte Werkstoffe Baden-Württemberg (AFBW), dem Carbon Composites Baden-Württemberg (CCBW), dem Leichtbauzentrum Baden-Württemberg (LBZ) und dem LVI − Landesverband der Baden-Württembergischen Industrie. Bei einer begleitenden Fachausstellung zum 2. Technologietag präsentieren sich 15 Leichtbau-Unternehmen sowie weitere Akteure aus Baden-Württemberg den Konferenzteilnehmern sowie den Besuchern der Moulding Expo, die ihre Premiere auf der Messe Stuttgart parallel zum 2. Technologietag Hybrider Leichtbau feierte.

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