16. Januar 2015 | News, Views & Markets

Commerzbank: Technische Textilien erobern neue Anwendungsbereiche

Umfassende Einblicke in die Wachstumsperspektiven der technischen Textilien gibt ein Branchenbericht der Commerzbank, der Ende 2014 veröffentlicht und der internationalen Fachpresse anläßlich der heutigen Pressekonferenz „techtextil/texprocess“ in Frankfurt präsentiert wurde. So entfällt auf China und Indien aktuell die Hälfte der weltweiten Produktion. Besonders Vliesstoffe und Composites werden in den nächsten Jahren überproportional wachsen. „Technische Textilien profitieren langfristig von den globalen Megatrends wie Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und zunehmender Umweltschutz. Ein weiterer Treiber sind neue Anwendungsbereiche sowie neue Herstellungsverfahren,“ sagte Jürgen Grebe, Corporate Sector Analyst der Commerzbank AG.

Vliesstoffwachstum

Das Subsegment Vliesstoffe, dessen Produktion seit 2011 um 11 % gestiegen ist, habe dem Bericht nach zufolge das Wachstum maßgeblich getragen. Für 2015 ist hier wie auch bei den übrigen technischen Textilien von einem moderaten Anstieg des Produktionsindex von etwa 2 % auszugehen, so der Branchenbericht. Bei den textilverstärkten Faserverbundwerkstoffen werde das hohe Niveau des Jahres 2007 jedoch wegen der Nachfrageschwäche in Frankreich, Spanien und Italien auch jetzt noch nicht wieder erreicht. Dagegen erzielten die deutschen, britischen und osteuropäischen Hersteller deutliche Produktionszuwächse.

„Die deutsche Branche gilt – auch dank der guten Vernetzung mit der weltweit einmaligen deutschen Forschungslandschaft – als technologischer Weltmarktführer“, betonte der Autor. Dabei fokussiere man sich auf die qualitativ hochwertigen und anspruchsvollen Produktbereiche und gehe dem Wettbewerb mit vornehmlich asiatischen Massenanbietern bei geringerwertigen Produkten weitestmöglich aus dem Weg. „So gesehen ist die deutsche Branche überwiegend das Ergebnis eines erfolgreichen Strukturwandels von Produzenten traditioneller Textilien zu hoch technisierten und spezialisierten Herstellern hochwertiger Textilprodukte“, so Grebe weiter.

Weltmarktwachstum

Der Weltmarkt für herkömmliche technische Textilien soll laut Bericht bis 2018 von derzeit etwas mehr als 130 Mrd. US-Dollar auf bis zu 160 Mrd. US-Dollar wachsen. Wichtigster Abnehmerbereich bleibe dabei der Bereich Fahrzeugbau. Aber auch Sektoren wie Bau- und Geotextilien sowie Nischen wie Ökotextilien gewinnen an Gewicht. Bei Vliesstoffen wird bis 2017 weltweit ein Umsatzanstieg von derzeit 33 Mrd. US-Dollar auf über 42 Mrd. US-Dollar erwartet. Größter Abnehmerbereich:
der Hygienebereich. Bei den Composites werden – insbesondere wegen starker Nachfrage in den Abnehmersektoren Fahrzeugbau, Windenergie und Luftfahrt – höhere Wachstumsraten für möglich gehalten. Derzeit wird das Weltmarktvolumen der textilverstärkten Faserverbundwerkstoffe noch auf knapp 100 Mrd. US-Dollar geschätzt. Insgesamt beträgt das globale Marktvolumen technischer Textilien derzeit mehr als 250 Mrd. US-Dollar. Regional betrachtet werden dem asiatischen Markt mit China an der Spitze die besten Aussichten eingeräumt.

Schwellenländer werden bedeutender
Aber auch andere Schwellenländer werden für die deutschen Hersteller, deren Exportanteil 2013 bei technischen Textilien 62 % und bei Vliesstoffen 58 % betrug, immer bedeutender. Dabei mache den deutschen Produzenten neben mangelndem Know-how-Schutz oder zunehmendem administrativen Aufwand etwa bei der Anwendung von Ursprungsregeln für Vormaterialien auch die Entwicklung der Energiekosten zunehmend Sorge.

Insgesamt gelte die deutsche Branche – 600 Unternehmen mit jeweils mehr als 20 Beschäftigten und einem Umsatz von 6 Mrd. Euro – als marktführend in Europa. Knapp 50 % der gesamten deutschen Textilproduktion entfallen bereits auf technische Textilien. Aufgrund der teilweise bereits sehr umfangreichen Auslandsproduktion und anderer statistischer Abgrenzungsprobleme dürfte der tatsächliche Umsatz der deutschen Hersteller technischer Textilien aber sehr viel höher sein.

Den vollständigen Branchenbericht können Sie der Pressestelle der Commerzbank (Martin Halusa +49 170 8528638, Bernd Reh +49 170 9143734) anfordern.
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