04. Dezember 2015 | News, Views & Markets

"Innovative technische Textilien werden künftig unser Alltagsleben noch viel stärker bestimmen als heute schon"

Ingeborg Neumann, Präsidentin des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie
Quelle: Gesamttextil

Geotextilien im Straßen-und Deichbau, textile Stents und bioverträgliche Implantate, Textilbeton und Leichtbau für Luft- und Raumfahrt: Innovative technische Textilien werden künftig unser Alltagsleben noch viel stärker bestimmen als heute schon. Dies sagte Ingeborg Neumann, Präsidentin des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie, auf der Jahrestagung des Verbandes am 3. Dezember in Berlin.

Sie wies darauf hin, dass die Gestaltung der Textilindustrie 4.0 ein revolutionärer Prozess ist, der ganz neue Produkte und Dienstleistungen hervorbringen wird. Notwendig sind dafür allerdings politische Rahmenbedingungen, die dem erfolgreichen internationalen Wettbewerb nicht entgegenstehen. Die viel zu hohe EEG-Umlage muss deswegen gesenkt werden, was durch eine andere Finanzierungsstruktur der Energiewende möglich wird. Auch die gesetzlichen Grundlagen der Arbeit müssen die von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gewünschte Flexibilität bieten.

Staatssekretär Thorben Albrecht, der die Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Andrea Nahles, vertrat, betonte in seiner Rede die historische Rolle der Textilindustrie als Leitindustrie. Mit der Industrie verändert sich auch die Arbeit. Flexibilität ist von Arbeitgebern und Arbeitnehmern erwünscht, kann allerdings nicht immer konfliktfrei erreicht werden.

Die Berliner Designprofessorin Gesche Joost gab einen Einblick in die digitale Zukunft in und mit Textilien. Mit eingenähten Mikrochips inklusive Bluetooth und eingewebten Metallfäden kann Kleidung in Zukunft viele Funktionen übernehmen, die heute noch von Zusatzgeräten und Smartphones geleistet werden. Sie präsentierte Prototypen eines „Lesehandschuhs“ für taubblinde Menschen und eine Wollmütze mit integriertem Navigationssystem und Lautsprechern.

IT-Spezialist und Live-Hacker Sebastian Schreiber demonstrierte dem Publikum die Risiken der Datensicherheit auf anschauliche Weise: Zwei passwortgeschützte USB-Sticks wurden in Sekunden gehackt, ein Mobiltelefon mit einfachen technischen Mitteln abgehört. Der Vortrag war ein eindrückliches Plädoyer für einen sorgfältigeren Umgang mit sensiblen Daten.

Auf dem Vorabendempfang betonte Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die gemeinsamen Aufgaben, die Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik sich mit dem „Bündnis für nachhaltige Textilien“ vorgenommen haben. Er lobte das bisher Erreichte und wies auf das Marktpotential für nachhaltige Kleidung in Deutschland in Milliardenhöhe hin. Präsidentin Ingeborg Neumann sagte, dass die deutsche Bekleidungsindustrie ihre Verantwortung für die Produktionsbedingungen seit Jahren wahrnimmt, aber noch besser werden will. Sie betonte aber auch: „Ein freier Welthandel ist noch immer die wichtigste Voraussetzung für steigenden Wohlstand in den Produktionsländern.“

nach oben drucken RSS-Feed