27. Februar 2015 | News, Views & Markets

Türkischer Maschinenbedarf steigt weiter

Die Türkei ist für Hersteller von Maschinen und Anlagen ein sehr interessanter Markt. Türkische und ausländische Unternehmen investieren aktiv in die Modernisierung oder den Neubau von Produktionslinien. Die Wachstumspläne der Regierung sehen vor, bis 2023 selbst zu den fünf größten Maschinenexporteuren weltweit aufzusteigen. In den letzten zehn Jahren hat sich die Produktion bereits mehr als verdoppelt. Deutsche Hersteller sind als Lieferanten und Investoren gefragt.

Der Maschinenbau in der Türkei weist seit 1990 ein durchschnittliches Wachstum von knapp 20% pro Jahr auf. Der daraus resultierende Bedarf hat in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, die deutschen Exporte zu steigern. Im Jahr 2013 betrug der Wert der deutschen Ausfuhren in die Türkei fast 4,0 Mrd. Euro. Allerdings sind die Einfuhren aus Deutschland 2014 infolge der Abwertung der türkischen Lira und aufgrund des Wegbrechens von Absatzmärkten (Irak/Russland) für die türkischen Maschinenbauer gesunken.

Für deutsche Maschinenbauer ist die Türkei dennoch weiter ein wichtiger Absatzmarkt. Besonders gefragt sind Textilmaschinen aus deutscher Produktion; 2013 betrug ihr Anteil an den gesamten deutschen Maschinenexporten in die Türkei 9,1%. Daneben werden vorwiegend Lufttechnik, Fördertechnik, Werkzeugmaschinen sowie Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen aus Deutschland eingeführt.

Die Türkei will zu den führenden Industrienationen aufschließen und spätestens 2023 zu den zehn größten Volkswirtschaften der Welt gehören. Die Regierung ist sich bewusst, dass diese ehrgeizigen Ziele nur mit einer aktiven Industrie- und Exportförderung erreichbar sein werden. Mithilfe von Förderungen in Form von Subventionen und Steuererleichterungen versucht sie, strategisch wichtige Industriezweige wie Maschinenbau, Automobilbau, Wehrtechnik und Energiewirtschaft gezielt zu stärken.

Kooperationen mit deutschen Maschinenbauverbänden sollen ausgebaut werden. So besteht zum Beispiel eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Verbundinitiative Maschinenbau Sachsen (VEMAS), einem Netzwerk sächsischer Maschinenhersteller, und dem Verband der türkischen Maschinenbau-Unternehmen Turkish Machinery. Im Rahmen dieses Abkommens wurden unter anderem Technologieforen in Bursa und Konya durchgeführt. VEMAS arbeitet intensiv an weiteren Beziehungen zu türkischen Maschinenbauern. Vor allem in der Region Konya bestehen enge Verbindungen mit verschiedenen Unternehmen.

Für den anhaltend hohen Bedarf an moderner Ausrüstung sorgt vor allem der Kapazitätsausbau im Maschinenbau und in der Kraftfahrzeugindustrie. Auch der Energieanlagenbau und die Bergbaukonzerne investieren in neue Anlagen. Der Ersatzbedarf ist immens, da viele Maschinen veraltet sind und teilweise schon über 30 Jahre laufen. Die alten Maschinen belasten die Wettbewerbsfähigkeit der türkischen Industrie: Sie arbeiten teilweise nicht mehr präzise und haben einen unzeitgemäßen hohen Energieverbrauch.


Staatliche Hilfen für lokalen Maschinenbau

Die Maschinenbaubetriebe arbeiten vor allem in der wirtschaftlich am stärksten entwickelten nordwestlichen Marmara-Region (Provinzen Bursa, Istanbul, Kocaeli) sowie in Izmir, Eskisehir, Ankara, Konya und Gaziantep. Nach Schätzungen des Industrieministeriums werden bei der Herstellung von Maschinen im Durchschnitt zu 80 bis 85% lokale Zulieferteile eingesetzt. Der Werkzeugmaschinenbau konzentriert sich auf die Provinzen Bursa, Kocaeli, Istanbul, Izmir und Konya. In der aufstrebenden südostanatolischen Provinz Gaziantep werden insbesondere Textil- und Nahrungsmittelmaschinen produziert.

Die staatliche Förderung des Maschinenbausektors erfolgt auf der Grundlage eines Strategie- und Aktionsplanes (2011 bis 2014) der Regierung. Unter fünf übergeordneten Zielen werden darin insgesamt 39 Maßnahmen angeregt. Die globale Wettbewerbsfähigkeit der Branche soll erhöht werden; die lokale Wertschöpfung und der Markenwert türkischer Produkte sollen zunehmen. Es wurde das ehrgeizige Ziel aufgestellt, den jährlichen Maschinenexport (HS-Kapitel 84) von aktuell 13 Mrd. $ (2013) bis zum Jahr 2023 auf 100 Mrd. $ zu steigern (20% der geplanten Gesamtexporte).
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