04. Oktober 2017 | Research & Development

Nachhaltigkeit in der textilen Wertschöpfungskette

?Sustainable Textile School? in Chemnitz
Preisverleihung des "Environmental Innovation Prize 2017" an Edward Fernando, Managing Director GreenKeepers (Pte) Ltd aus Sri Lanka, durch Prof. Dr. Marlen Gabriele Arnold, Technische Universität Chemnitz, Fakultät Wirtschaftswissenschaften
Quelle: Sustainable Textile School
Vom 18. bis 20. September 2017 fand in diesem Jahr zum ersten Male die „Sustainable Textile School“ in Chemnitz statt. Mehr als 130 Textile Experten aus über 16 Nationen diskutierten drei Tage lang intensiv über die Thematik Nachhaltigkeit in der textilen Wertschöpfungskette, begleitet von interessanten Vorträgen und intensiven Workshops. Boris Kaiser, Anton Schumann und Reiner Hengstmann berichten von der Veranstaltung, die in unterschiedliche Themenbereiche gegliedert wurde. Der erste Tag beschäftigte sich ausschließlich mit der textilen Faser und der Verbindung zur Nachhaltigkeit.

Der zweite Tag wurde mit einem Vortrag des europäischen Textile Verbandes EURATEX und einer Präsentation der europäischen Chemikalienbehörde ECHA mit Sitz in Helsinki eröffnet. Den Teilnehmern wurde hier insbesondere zu erwartenden Gesetzesregelungen in Bezug auf die REACh Verordnung nahegelegt aber auch Erwartungen in Hinblick auf mehr Nachhaltigkeit seitens EURATEX nahegelegt. Diese werden und müssen zu einem Umdenken in den Geschäftspraktiken und in der Technologie Herstellung führen.

Das Label Ecoalf aus Spanien war eines der schillernden Beispiele, wie ein nachhaltiges Geschäftsmodell zum Erfolg führen kann. Ecoalf präsentierte sein Konzept zum Recycling von Oceanplatisik und der Herstellung modischer Artikel daraus. Neue Technologien der Faser-Sortierung und Wiederaufbereitung von Alttextilien leuchteten die Möglichkeit einer Textilproduktion mit europäischem Ursprung in naher Zukunft aus.

Neben den vielen  Vorlesungen in klassischen Schulstil hatten die Teilnehmer auch Zeit zum intensiven Netzwerken. "Sustainable Textile School" ermöglichte es den Akteuren aus der textilen Kette, sich zu treffen und sich auf den Ebenen der Forschung und Entwicklung, der Prozesse und Technologien und des Sourcing auszutauschen. Erstmalig wurde im Rahmen der STS der Environmental Innovation Award verliehen. Von den insgesamt neun internationalen Präsentationen wählte die Jury das Projekt GreenKeepers auf den ersten Platz. Das junge Unternehmen aus Sri Lanka überzeugte mit seiner Geschäftsmodell-Innovation im Bereich der Wiederverwertung von Industrieabfällen zur Garnproduktion. Auf den zweiten Platz gewählt wurde das Label Posseimo, welches ein Garn aus dem Fell des neuseeländischen Brushtail Possum in einem geschlossenen Sourcing-Kreislauf verwendet. Den dritten Platz belegte eine Lösung der Firma Miles zur Verhinderung von Mikroplastik-Kontaminationen durch Waschvorgänge.

Es ist geplant, "Sustainable Textile" als eine jährliche Veranstaltung ab zu etablieren, um auch den weiteren Ausbau einer nachhaltigen E-Learning-Plattform für die globale Textilindustrie, welche im Rahmen der Veranstaltung aktiviert wurde, voranzutreiben. Bereits jetzt haben alle Teilnehmer der STS einen  Zugang zu einer digitalen Lernplattform, welche die nachhaltigen Fragestellungen aufgreift, bearbeitet und ergänzt sowie in Zukunft Szenarien für die Ausbildung in der Textilindustrie der Zukunft entwickeln wird. Die Lernplattform ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen den Firmen Gherzi und Chemmedia in Kooperation mit der Technischen Universität Chemnitz.

Unterschiedliche Ingenieur-getriebene Ansätze in allen Bereichen der Textilindustrie wurden während der drei Tage in Chemnitz diskutiert. Sie zeigen deutlich, dass eine nachhaltige Produktion von Textilien technisch möglich ist. Die entscheidende Frage, welche immer wieder im Mittelpunkt stand, war, wie sich der weltweite Konsum von Textilien entwickeln wird. Das Angebot und der Verbrauch von Textilien, hier insbesondere das sogenannte „fast fashion“ steigt weiter. Die sich daraus ergebende Frage ist, wie diese im Einklang mit dem Konzept der Nachhaltigkeit steht.

Im kommenden Jahr wird auf zwei ausgewählten Messen ein Tag zur Ausbildung in der Textilindustrie abgehalten; gleichzeitig ist die 2. "Sustainable Textile School" mit dem Fokus Nachhaltigkeit in der Produktion von technischen Textilien geplant. Ort und Datum werden rechtzeitig in den Medien präsentiert. Ziel der Veranstalter und weiterer Kooperationspartner ist es, bis Herbst 2019 den neuen Studiengang GLOBAL TEXTILE SUPPLY CHAIN ENGINEER zu entwickeln, um der weltweiten Nachfrage nach internationalem Ingenieurpersonal – das die textilen Ketten aus einer nachhaltigen Perspektive versteht - zu begegnen.

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