10. November 2017 | Research & Development

Zukunftsfähige Aus- und Weiterbildung in der ostdeutschen Textil- und Modebranche erfordert Bündelung der Kräfte

Aus- und Weiterbildung in der ostdeutschen Textil- und Modebranche
Fachleiterin Manuela Schubert (l.) gibt im Textil-Prüflabor des Beruflichen Schulzentrums e. o. plauen in Plauen Jessy Drechsel Hinweise beim Mikroskopieren von Faserproben. Die junge Frau schließt 2018 ihre dreijährige Ausbildung zur Produktionsmechanikerin Textil ab.
Quelle: Wolfgang Schmidt
In der ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie haben in diesem Jahr 245 junge Menschen eine gewerbliche Berufsausbildung begonnen. „Damit verzeichnen wir eine leichte Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Dies ist angesichts der starken Konkurrenz anderer Branchen und der aktuellen demografischen Entwicklung ein sehr erfreuliches Ergebnis, wenngleich freilich nicht alle Lehrstellen besetzt werden konnten.“ Das konstatierte Dr. Peter Werkstätter, Geschäftsführer des Verbandes der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie e. V. (vti) auf dem 9. Branchentag der Textil- und Bekleidungsindustrie des Erzgebirges und des Vogtlandes am 8. Nov. 2017 in Annaberg-Buchholz. Insgesamt befinden sich in den neuen Bundesländern derzeit mehr als 1.000 Jugendliche in einer textilen Berufsausbildung, die überwiegende Mehrheit davon in Sachsen.

Weiterhin hob der vti-Geschäftsführer hervor: „In Zukunft werden Digitalisierung, Automatisierung und logistische Vernetzung auch in der Textilproduktion neue Dimensionen annehmen. Wir müssen unseren Berufsnachwuchs für die Herausforderungen der ‚Industrie 4.0‘ wappnen und zugleich qualitativ beste Weiterbildungsmöglichkeiten für Fachkräfte schaffen. Das geht jedoch nur mit modernster technischer Ausstattung. Es gilt, die verfügbaren Kräfte und Mittel zu bündeln.“ Dr. Peter Werkstätter erinnerte an die den zuständigen Ministerien und Behörden bekannte Empfehlung des vti, die textile Aus- und Weiterbildung der neuen Bundesländer in Plauen zu konzentrieren. Ähnliche Wege gehe man in Textilregionen in Bayern-Franken sowie in Nordrhein-Westfalen, wo in diesem Sinne bereits Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe auf den Weg gebracht worden seien:

„Mit dem Beruflichen Schulzentrum e. o. plauen und der Fördergesellschaft für Berufliche Bildung existiert in der Vogtlandmetropole eine solide Basis – sowohl für die duale als auch für die Verbundausbildung. Außerdem verfügt die Staatliche Berufsakademie Plauen über gute Voraussetzungen, sich textilrelevanten Themen anzunehmen, beispielsweise der Ausbildung von Vertriebsingenieuren. Das in Westsachsen stark vertretene Bildungswerk der Sächsischen Wirtschaft leistet bereits jetzt einen wichtigen Beitrag bei der Weiterbildung von Fachkräften. Und nicht zu vergessen: Mit dem Studiengang ‚Textile Strukturen und Technologien‘ an der Westsächsischen Hochschule Zwickau ist ein weiterer Ausbildungsvorteil in der Region gegeben. Die am Institut für Textil- und Ledertechnik der WHZ mögliche Fachhochschulausbildung zum Bachelor ist in Kombination mit der anschließenden Master-Ausbildung an der TU Chemnitz einzigartig in Deutschland.“

Klaus-Peter Palme, Leiter des BSZ e. o. plauen, verwies auf die in seiner Schule ausreichend vorhandenen qualifizierten Lehrkräfte sowie auf die Werkstätten und Labors für die textile Aus- und Weiterbildung: „Bereits jetzt fungieren wir als zentrale berufliche Ausbildungsstätte der neuen Bundesländer für Produktionsmechaniker/Textil und Produktveredler/Textil. Für neue Herausforderungen sind wir gerüstet. Bei Bedarf können wir unsere Kapazitäten erweitern.“ Insgesamt werden gegenwärtig am BSZ e. o. plauen 249 junge Menschen in den Berufen Maschinen- und Anlagenführer/in  Textiltechnik; Produktionsmechaniker/in Textil; Maschinen- und Anlagenführer/in Textilveredlung;  Produktveredler/in Textil; Produktgestalter/in  Textil; Textilgestalter/in im Handwerk; Textil- und Modenäher/in sowie Textil- und Modeschneider/in ausgebildet. Außerdem betreibt das BSZ eine Fachschule für die Ausbildung von Textil- und Bekleidungstechnikern.

Die Fördergesellschaft für berufliche Bildung Plauen-Vogtland e. V. (FG) schließt mit ihren Angeboten zur Praxisausbildung in den Konfektionsberufen sowie für Maschinenführer, Produktionsmechaniker und Produktgestalter nahtlos an die Fachtheorie des BSZ e. o. plauen an. „Das in der Fördergesellschaft angesiedelte Trainingszentrum der Deutschen Stickerei-Industrie ist sehr wichtig für die Zukunft dieser vor allem im Vogtland beheimateten Traditionsbranche, die sich mittlerweile auch mit Technischen Textilien beschäftigt“, betont Dr. Peter Werkstätter, zugleich Vorstandsmitglied im Branchenverband Plauener Spitze und Stickereien. Frank Lammer, Vorstandsvorsitzender der FG, bestätigt, dass seine Einrichtung diesbezüglich gut ausgerüstet ist, jedoch durchaus Zuwachs verkraften kann. Und er verweist auf einen nicht unwichtigen Aspekt des Gesamtvorhabens, die Unterbringung der jungen Leute aus anderen Landesteilen: „Wer möchte, kann in unserem komfortablen Lehrhotel wohnen, von wo aus beide Schulen jeweils zu Fuß zu erreichen sind. Eine Multifunktionssportanlage und andere attraktive Freizeiteinrichtungen stehen außerdem zur Verfügung.“









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