12. September 2018 | Applikationen | Protech

Kein Hitzestress mehr im Chemikalien-Schutzanzug

Die Schutzanzüge bestehen aus dem Material Truetec, einem wasserabweisenden, zweilagigen Mikrofilamenten-Spinnvlies aus Polyester und Polyamid
Die Schutzanzüge bestehen aus dem Material Truetec, einem wasserabweisenden, zweilagigen Mikrofilamenten-Spinnvlies aus Polyester und Polyamid
Quelle: P. Glatzeder GmbH
In zahlreichen Branchen – etwa in Biochemielaboren, in der Asbest-Entsorgung, aber auch in der Automobilindustrie – ist das Tragen von Schutzanzügen von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) vorgeschrieben. Diese sollen das Personal einerseits vor chemischen Flüssigkeiten und damit Verletzungen bewahren. Andererseits werden damit auch Verunreinigungen vermieden, die unter Umständen die Produktqualität negativ beeinträchtigen können, zum Beispiel in Lackieranlagen. Um die hohen Anforderungen an die Dichtheit des Anzugmaterials zu erfüllen, müssen häufig Abstriche bezüglich des Tragekomforts gemacht werden. Dies wirkt sich jedoch negativ auf das Wohlbefinden der Träger aus. An dieser Stelle setzt die P. Glatzeder GmbH an: Das Unternehmen hat seine jahrelangen Erfahrungen mit technischen Textilien und Vliesstoffen genutzt, um einen Chemikalien-Schutzanzug zu entwickeln, der hohen Schutz vor Fremdpartikeln bietet und gleichzeitig den Tragekomfort anderer Materialien weit übertrifft. Der SafeComfort, dessen hautfreundliche Innenseite das Vierfache seines Gewichts an Liquiden aufnehmen kann, ist in drei Modellen erhältlich und wurde erstmals auf der diesjährigen mtex+ in Chemnitz vorgestellt.  

„Bisher hat sich die Entwicklung von Schutzanzügen vor allem auf eine Eigenschaft konzentriert: den Schutz ihrer Träger vor Chemikalien“, erklärt Kristin Glatzeder, Geschäftsführerin der P. Glatzeder GmbH (PGG). „Gleichzeitig ist der Mensch selbst als Kontaminationsquelle in den Fokus der Industrie gerückt. Zum Beispiel können Haare oder Hautschuppen, die bei der Herstellung unbemerkt in empfindliche Produkte wie Chips oder Sensoren geraten, die Qualität und Funktionsfähigkeit erheblich beeinträchtigen.“ Um dies zu vermeiden, werden deshalb auch hier Schutzanzüge eingesetzt. Bei der Entwicklung wurde jedoch häufig außer Acht gelassen, dass die Materialien neben der Schutzfunktion auch weitere Kriterien wie ein gutes Tragegefühl erfüllen sollten.

Im Jahr 2016 beschloss die P. Glatzeder GmbH deshalb, gemeinsam mit einem Kooperationspartner einen Anzug auf den Markt zu bringen, der die hohen Schutzanforderungen erfüllt und gleichzeitig über einen längeren Zeitraum hinweg für Atmungsaktivität und Tragekomfort sorgt. Der Partner hatte dafür bereits einen Prototypen entwickelt, in den das Unternehmen während der folgenden zwei Jahre weiteres Know-how einfließen ließ. „Da wir seit beinahe 45 Jahren mit Vliesstoffen und technischen Textilien handeln und diese konfektionieren, konnten wir bei der Weiterentwicklung auf unsere langjährigen Erfahrungen zurückgreifen“, so Glatzeder.

Hohe Atmungsaktivität
Das Ergebnis ist das Material Truetec, ein wasserabweisendes, zweilagiges Mikrofilamenten-Spinnvlies aus Polyester und Polyamid. Es besitzt eine atmungsaktive Außenseite, die Schutz vor Aerosolen und feinen Partikeln sowie modellabhängig einen begrenzten Spritzschutz bietet. Für einen besonders hohen Tragekomfort sorgt jedoch vor allem die Innenseite: Hier wurde eine Mikrofilamenten-Textilie verwendet, die das Vierfache ihres Eigengewichts an Liquiden absorbiert und damit eine sehr hohe Flüssigkeitsaufnahme sicherstellt. Gleichzeitig ist eine hohe Atmungsaktivität und Wasserdampfdurchlässigkeit gegeben. Damit sich der Träger des Anzugs auch über einen längeren Zeitraum hinweg wohlfühlt, wird die Flüssigkeit kontinuierlich nach außen abtransportiert, sodass Hitzestaus vermieden werden, die Kleidung noch während des Tragens trocknet und sogar einen leicht kühlenden Effekt erzielt. Weiterhin sind die SafeComfort Chemikalien-Schutzanzüge trotz ihrer hohen Reißfestigkeit und Stabilität sehr leicht: Im Schnitt wiegen sie weniger als 50 g/m2.

Panel bestätigt hohen Tragekomfort
Um die Anzüge auf ihre Praxistauglichkeit im Berufsalltag zu prüfen, wurde ein ausführliches Panel mit 100 Teilnehmern durchgeführt. Dabei bescheinigten die Teilnehmer allen SafeComfort-Modellen eine sehr gute Bewegungsfreiheit und ein angenehmes Tragegefühl, das auch über einen längeren Zeitraum hinweg bei höheren Temperaturen anhielt. „Bei vorherigen Untersuchungen haben wir festgestellt, dass Träger eines Chemikalien-Schutzanzuges schon nach durchschnittlich 20 Minuten beginnen, sich unwohl zu fühlen. Das war vor allem auf die schlechte Atmungsaktivität und das Material zurückzuführen, das den Schweiß nicht optimal abführen konnte“, erklärt Kristin Glatzeder.
 „Durch das Mikrofilamenten-Spinnvlies mit seiner hautfreundlichen, saugfähigen Innenlage und der atmungsaktiven Außenhaut übertrifft unser Anzug andere bekannte Materialien im Hinblick auf den Komfort um ein Vielfaches.“

Glatzeder bietet den SafeComfort Chemikalien-Schutzanzug in drei verschiedenen Ausführungen an: Alle Modelle (N, H und T) sind nach den Normen EN ISO 13982-1 (Typ 5) sowie EN 13034 (Typ 6) zertifiziert und partikeldicht; zudem sind sie antistatisch, frei von lackbenetzungsstörenden Substanzen und Silikon. Während Modell N lediglich mit einem Stehkragen ausgestattet ist, verfügt Modell H über eine dreiteilige Kapuze. Das Modell T ist zusätzlich nach der EN ISO 14605 (Typ 4) zertifiziert, spritzdicht und besitzt eine zweiteilige Kapuze. Abhängig von den Anforderungen an die jeweilige Kategorie sind auch die Nähte entsprechend verklebt sowie der Reißverschluss mit einer selbstklebenden Verschlussblende ausgestattet. Damit gewährleisten alle Modelle höchstmöglichen Schutz vor gefährlichen Partikeln und garantieren gleichzeitig eine hohe Produktqualität.

Redigiert von Petra Gottwald

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