07. November 2018 | Research & Development

RCCF eröffnet Technikum für Carbonfaserforschung

Stabilisierungs- und Carbonisierungslinie im Carbonfaser-Technikum des RCCF
Stabilisierungs- und Carbonisierungslinie im Carbonfaser-Technikum des RCCF
Quelle: Lichtwerke Design Fotografie

Das Research Center Carbon Fibers (RCCF) der TU Dresden, eröffnete am 02.11.2018 sein neues Carbonfaser-Technikum. Dort sollen die Carbonfasern vom Faserrohstoff bis zum fertigen Bauteil erforscht und neue Eigenschaften und Anwendungsmöglichkeiten entdeckt werden.

Auf der derzeit installierten 300 m² großen Anlage erforschen Wissenschaftler unter Reinraum-Bedingungen (Klasse ISO 8) die Grundlagen für maßgeschneiderte Kohlenstofffasern und erschließen deren hohes Innovationspotenzial. Dabei greifen die Forscher auf einzelne Anlagenmodule zur Stabilisierung und Carbonisierung mit industrienahem Ofendesign und individuell einstellbaren Parameterkombinationen zurück. Durch den besonderen Reinheitsgrad erfüllten die Carbonfasern die Anforderungen für die Verwendung in der Luft- und Raumfahrt, Fahrzeugbau, Architektur und Hochleistungselektronik.

Platz für zukünftige Erweiterungen
Neben den beiden auf etwa 30 Metern aufgestellten Stabilisierungs- und Carbonisierungslinien seien weitere Flächen für künftige Erweiterungen der Gesamtanlage vorgesehen, zum Beispiel ein weiterer Hochtemperaturofen, in dem Carbonfasern bis zu Temperaturen über 2.000°C graphitierbar sind, oder unikale Beschichtungsanlagen zur Oberflächenaktivierung.

Im neuen Technikum sollen die Wechselwirkungen zwischen Prozessparametern, Faserstruktur und weiteren mechanischen, thermischen und elektrischen Eigenschaften bei der Herstellung von Carbonfasern erforscht werden, um die Fähigkeiten des Hightech-Werkstoffes weiter zu steigern. Zusätzlich wollen die Forscher die Entwicklung multifunktionaler Fasern mit neuartigen Eigenschaftsprofilen wie hohe Leitfähigkeit bei hoher Festigkeit oder ausgeprägter Verformbarkeit sowie die Nutzung erneuerbarer Ausgangsstoffe in den Fokus ihrer Arbeiten nehmen.

Die Zukunft sichern
„Die Carbonfaser ist der Stahl des 21. Jahrhunderts“, führt Prof. Hubert Jäger, Sprecher des Instituts für Leichtbau und Kunststofftechnik (ILK), aus. „Ganze Branchen erfinden sich derzeit durch diesen Werkstoff neu und erreichen mit ihren Produkten nie gedachte Dimensionen. Das Problem ist jedoch die Verfügbarkeit.“ Hier soll das neue sächsische Technikum Abhilfe schaffen. Weiterhin würden bereits jährlich etwa 15 Studierende in Forschungsbereiche wie die Prozessführung, -modellierung und -überwachung sowie die Entwicklung, Fertigung und Charakterisierung neuer Carbonfasern und Verbundwerkstoffe einbezogen, um den Nachwuchs in dieser Zukunftstechnolgie auszubilden.

Redigiert von Thobias Quaß

nach oben drucken RSS-Feed