09. Januar 2018 | News, Views & Markets

Wie funktioniert digitalisierte Textilproduktion?

Textilbranche Ost
Frizzi Seltmann und Andreas Böhm an moderner Webtechnik im neuen Kompetenzzentrum “Vernetzte Fertigung” des STFI in Chemnitz.
Quelle: STFI/W. Schmidt
Was ist bei der Einführung neuer Technologien zu beachten? Welche Rolle übernehmen die Mitarbeiter? In welchen „Sprachen“ kommunizieren Menschen, Maschinen und Anlagen? Die Antwort auf diese und weitere Fragen können Textilproduzenten in Zukunft mit maßgeblicher Unterstützung des Sächsischen Textilforschungsinstituts (STFI), Chemnitz, erhalten. Das Institut wirkt in dem vor wenigen Wochen vom Bundeswirtschaftsministerium ins Leben gerufenen „Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum - Textil-vernetzt“ mit. Weitere Partner sind die Textilforschungsinstitute ITA Aachen, DITF Denkendorf und die auf Mikrosystemtechnik spezialisierte Hahn-Schickard-Gesellschaft für angewandte Forschung, Stuttgart. Die Gesamtkoordination obliegt dem Gesamtverband textil+mode, Berlin.
 
Kernstück der vom STFI verantworteten Bereiche des Kompetenzzentrumes sind die im Aufbau befindlichen (bereits z. T. anwendungsbereiten) Demonstrator-Linien „Vernetzte Fertigung“ und „Selbststeuernde Vliesstoffproduktion“. „Dabei handelt es sich nicht um Technika der klassischen Textilforschung. Vielmehr geht es darum, die Möglichkeiten automatisierter Textilproduktion praktisch zu demonstrieren“, erläuterte STFI-Geschäftsführer Dr. Yves-Simon Gloy während eines Medientermins am 5. Jan. 2018 in Chemnitz. „Das Konzept sieht vor, dass wir im Rahmen des deutschlandweit agierenden Kompetenzzentrumes ein ‚Schaufenster‘ für vernetzte, hoch effektive Wertschöpfungsprozesse von Technischen Textilien und textilen Werkstoffen schaffen. Die mittelständischen Textilproduzenten sollen jedoch nicht passive Beobachter dieser Vorgänge sein, sondern ihre Kenntnisse und Erfahrungen mit einbringen. Gelegenheit dazu bietet sich beispielsweise bei Praxis- bzw. Innovationsworkshops, die sowohl bei uns als auch in den Firmen stattfinden werden. Ziel ist es, zur langfristigen Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit die Digitalisierung in den breiten Anwendungsspektrum der textilen Unternehmen zu unterstützen.“

STFI-Geschäftsführer Andreas Berthel verwies darauf, dass das gegenwärtig vom STFI im Auftrag des Bundesforschungsministeriums gesteuerte Projekt „futureTEX - Ein Zukunftsmodell für Traditionsbranchen in der vierten industriellen Revolution“ wichtige Voraussetzungen für das Kompetenzzentrum „Textil-vernetzt“ geschaffen hat und weiterhin schafft. An dem bislang größten textilen Verbundvorhaben der BRD beteiligen sich 180 Industrie- und Forschungspartner aus 14 Bundesländern. Die Basisthemen „Smart Factory“, „Mass Customization“, „Open Innovation“ und „Arbeitswelt 4.0“ sind bereits abgeschlossen. Gegenwärtig werden 17 Verbundvorhaben mit 91 beteiligten Partnern bearbeitet.

Nach Ansicht von Dr.-Ing. Jenz Otto, Hauptgeschäftsführer des in Chemnitz ansässigen Verbandes der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie (vti), fällt dem STFI eine Schlüsselrolle bei der Einführung der automatisierten Produktion in der mittelständisch strukturierten heimischen Textilbranche zu: „Unseren Unternehmen steht diesbezüglich ein kompetenter Partner in unmittelbarer Nähe zur Verfügung. Und wir müssen gemeinsam auf Tempo drücken, denn der mit dem demografischen Wandel einhergehende Fachkräftemangel, wird sich in den kommenden Jahren insbesondere in den gewerblichen Textilberufen erheblich verstärken. Die Lösung dieses Problems liegt maßgeblich in der Automatisierung von Produktion und Auftragsabwicklung im einzelnen Unternehmen sowie in der intelligenten digitalen Verknüpfung von Herstellern entlang der gesamten textilen Wertschöpfungskette – Textilmaschinenbauer und Software-Entwickler inklusive. Zudem erhöhen wir damit die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Branche.“
 

Redigiert von Angelika Hörschelmann

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