08. Juni 2018 | Technology & Machinery

Karl Mayer: Schlicht- und Schärmaschinen für chinesische Glasgewebe

FILESIZE Gesamtmaschine
FILESIZE Gesamtmaschine
Quelle: Karl Mayer

Der Großteil aller weltweit verarbeiteten Copper Clad Laminates (CCL), kupferkaschierte Vorprodukte der Leiterplattenherstellung, werden von chinesischen Unternehmen geliefert. Dabei kommen hauptsächlich Glasgewebe als Trägermaterial zum Einsatz. Die technischen Textilien werden verharzt und anschließend ein- oder beidseitig mit einer Kupferschicht überzogen. Am Ende wird die Metallbeschichtung dem gewünschten Leiterbahnendesign entsprechend wieder entfernt. Das Ergebnis sind gedruckte Leiterplatten, international bezeichnet als Printed Circuit Boards (PCB), die direkt mit elektronischen Komponenten bestückt oder vorher zu Multilayer-Platinen verbunden werden. In einem Computer sind z.B. Varianten mit bis zu 48 Schichten verbaut.

Der Trend zur Miniaturisierung, aber auch die immer stärker werdende Forderung nach biegsamen CCL-Varianten verlangt nach immer feineren Glasgeweben. Karl Mayer nutzt für die Herstellung von Glasfasergeweben einen durchdachten Kettvorbereitungsprozess. Die Garne werden von Spulen abgezogen, durch das Schlichtebad geführt, getrocknet und auf Zettelbäume gewickelt, die beim abschließenden Assemblieren zu Kettbäumen für die Weberei zusammengeführt werden. Zu Beginn werden die Glasrovings mit dem rechnergesteuerten Hysterese-Fadenspanner Accutense materialschonend von Gattern abgezogen und der Schlichtmaschine Filesize zugeführt.

Die Anlage für den Einsatz von Filamentgarnen hat ebenfalls eine Prozessführung ohne Qualitätseinbußen im Fokus. Anders als Vollkettschlichtmaschinen verarbeitet sie nur bis zu 800 Fäden, die sich bei der Benetzung nicht berühren und damit rundum beschlichtet werden. Die separat verarbeiteten Fäden können im Trockenfeld nicht verkleben. Damit entfällt das beim Vollkettschlichten übliche Trennen, das häufig Ursache für Schädigungen der Glasfibrillen ist.

Die Zone für die Beseitigung des Wassers aus dem Glas umfasst einen hochmodernen Heißluftofen und ein sich anschließendes Trockenzylinderfeld. Das Vortrocknen im Heißluftofen ist wichtig, damit der flache Querschnitt des nassen Materials eine runde Form annimmt. Die Temperatur der Trockenzylinder beträgt 90 bis 145 °C und wird präzise kontrolliert. Der exakte Klimacheck ist wichtig für eine ausgezeichnete Prozessqualität, und damit für Teilkettbäume mit einer hohen Beschlichtungsgüte. Je vier bis sechs der Teilkettbäume werden abschließend zu den anvisierten Kettbäumen für die Weberei zusammengeführt.

Eine Anlage zur Verarbeitung von Glasmaterial höchster Feinheiten wurde im Februar 2018 erfolgreich installiert. 

Redigiert von Petra Gottwald

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