17. Januar 2017 | Technology & Machinery

Komplette Wiederverwendung: Recycling von PET-Vliesstoffabfällen

Recyclinganlage für PET-Vliesstoffabfälle
Recyclinganlage für PET-Vliesstoffabfälle
Quelle: Gneuss

Bei der Herstellung von Vliesstoffen fallen entlang der gesamten Prozesskette Abfälle an. Sie entstehen u.a. beim Anfahren oder durch Randbeschnitt oder auch durch Ausstanzprozesse. Dies kann eine große Menge an Abfall bedeuten, der idealerweise direkt wieder als gleichwertiger Ersatz zur Neuware eingesetzt werden sollte.

Gneuß Recyclinganlagen, bestehend aus der Processing Unit mit dem MRS-Extruder, dem Rotary-Schmelzefilter und dem Online-Viskosimeter sowie dem Polyreaktor Jump, ermöglichen die komplette Wiederverwendung dieser PET-Abfälle ohne Qualitätseinbußen direkt wieder in den Extrusions-Verarbeitungsprozess. Dabei bleibt, unabhängig von der vorherigen Zugabe von Spinnölen oder anderen Spinnhilfs- oder Zusatzstoffen, die Qualität des Endproduktes und die Stabilität des Prozesses unbeeinflusst. Weiterhin kann durch gezielte Beeinflussung des Molekulargewichtes im Inneren des Jump gewünschte Eigenschaften des Vlieses im Bereich des Recycelns eingestellt werden.

Die Recyclinganlage zur Direktverarbeitung von Vliesstoffabfällen stellt, so der Hersteller, „eine optimale Lösung für hochvolumige Abfallstoffe geringer Dichte und ggf. mit von Präparationsölen und sonstigen Hilfsstoffen verunreinigten Reststoffen dar. Die Anlage ist sehr kompakt gebaut und arbeitet besonders effizient. In der Recyclinganlage werden die Produktionsabfälle in einen Schredder gegeben und über ein Förderband mit Metalldetektoren in einen Zwischenpuffer mit Rührwerk gespeist und mittels Dosier- und Stopfschnecken in den Extruder befördert. Der Extruder schmilzt die Polyesterabfälle schonend auf und reinigt die Schmelze von flüchtigen Bestandteilen wie Spinnölen und anderen Hilfsmitteln im MRS-Entgasungsbereich.“

Möglich macht dies das spezielle Multirotationselement, welches eine enorme Dekontaminations- und Entgasungsleistung bietet. Basierend auf einem konventionellen, robusten Einschneckenextruder ist der MRS-Extruder im Mittelteil mit einem Multischneckenelement ausgerüstet. Damit die Entgasung ungehindert erfolgen kann, ist der Zylinder im Multirotationsbereich über die gesamte Länge geöffnet, sodass die Schmelze in diesem Bereich komplett unter Vakuum steht. Mit einem robusten und unempfindlichen Vakuumsystem werden Fremdstoffe einfach entfernt. Mit einem Rotary-Siebwechsler werden anschließend verbleibende, feste Bestand-
teile aus der entgasten Schmelze entfernt. Die Viskosität der Schmelze wird während des Prozesses mit dem Online-Viskosimeter überwacht und durch einen geschlossenen Regelkreis im MRS-Extruder voreingestellt.

Im Anschluss an den Extrusions- und Filtrationsprozess wird die sehr reine Schmelze mit einer Druckerhöhungs-

pumpe in das kompakte IV-Boostsystem Jump eingespeist. Hier erzeugen verschiedene Rührorgane bei anliegendem Tiefvakuum ebenfalls große Oberflächenaustauschraten, sodass eine gezielte Viskositätserhöhung stattfindet. Mittels Viskosimeter und Prozessgrößenregelung wird die Viskosität punktgenau eingestellt. Der Eintrag von Sauerstoff ist ausgeschlossen, wodurch eine Vergilbung der Schmelze verhindert wird. Nach dem Durchlaufen einer Beruhigungsstrecke im Reaktor wird die Schmelze mithilfe einer Vakuumsaustragspumpe der Granulierung zugeführt und steht anschließend wieder dem Spinnprozess als hochwertiger Ersatz zum Neu-
warengranulat zur Verfügung.

„Im Vergleich zu einer Solid State Polymerisation (SSP) stellt der Jump-Prozess eine sehr wirtschaftliche Alternative dar, das Polymer befindet sich bereits in der Schmelzephase, was die Reaktionszeit verkürzt (nur noch ca. 10 % Verweilzeit im Vergleich zur SSP) und den Energieverbrauch senkt, da ein erneuter Aufwärm-prozess nicht notwendig ist. Zudem reduziert die kompakte Bauweise des Jump-Reaktors den Stellflächenbedarf erheblich,“ berichtet Gneuß. Mit der Recyclinganlage für Vliesstoffe ließen sich Inhouseabfälle bis zu 100 % wiederverwerten.

Redigiert von Angelika Hörschelmann

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