31. Mai 2017 | Fibers & Filaments

Mit einem textilen Schnelltest-Streifen für die Diagnostik peilt InoEmTex den hochwertigen Medizintechnikmarkt an

Textil-Netzwerk InoEmTex
Netzwerkmanagerin Steffi Volland (Bildmitte) inmitten ihrer InoEmTex-Partner
Quelle: Luvo-Impex

Bei der Entwicklung von Schnellteststreifen zum Beispiel zum Nachweis von Ebola-Viren arbeiten das Forschungszentrum für Medizintechnik und Biotechnologie (fzmb GmbH, Bad Langensalza) und die Gesellschaft für Biowissenschaft und Technik mbH (Senova, Weimar) seit Jahren erfolgreich zusammen. Beide verfolgen jetzt mit dem InoEmTex-Projekt einen „komplett neuartigen technologischen Ansatz“, wie fzmb-Geschäftsführer Dr. Peter Miethe als Ideengeber mit Blick auf die technologischen Potenziale von Fasern und Textilien unterstreicht. „Wir wollen mit funktionalisierten, d.h. speziell beschichteten Fasern und Fäden komplexe Funktionsstrukturen weben und so das übliche aufwendig herzustellende Foliendesign konventioneller Teststreifen mit einem hochwertigen Produkt ablösen.“ 

Im Rahmen des vom Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) geförderten Projektes werden aus Funktionsfäden biochemische Funktionselemente, die zu neuartigen gewebebasierten Schnelltests für unterschiedliche Anwendungen im Bereich der medizinischen Diagnostik und zum Nachweis von Kontaminanten beispielsweise in der Lebensmittelindustrie integriert werden. Entwicklungsziel ist es, die Leistungsparameter wie Sensitivität, Genauigkeit und Robustheit herkömmlicher Schnelltests zu übertreffen.

Teststreifen sind seit Mitte der 80iger Jahre auf dem Markt; seitdem hat sich die Technologie kaum verändert: Danach werden Linien mit Bindungsmolekülen auf eine Laufmebran gesprüht, über die dann weitere Membranen zur Filtration und zum Färben der Analyte geklemmt werden. Die Konfektionierung in Testkassetten erfolgt oft manuell in Billiglohnländern. Weltweit werden auf diese Weise jährlich zwei Milliarden Teststreifen hergestellt. Sie kommen in der Medizin beispielsweise zur Diagnostik von Schwangerschaft, Allergien, Infektionskrankheiten wie HIV oder bei der Überwachung von Pilzgiften und Antibiotikarückständen in Lebensmitteln zum Einsatz.

Von dynamischer Schalldämpfung bis Schwermetall-Rückgewinnung
Im Netzwerk InoEmTex arbeiten zwölf Mittelstandsunternehmen verschiedener Branchen mit fünf interdisziplinär aufgestellten Wissenschaftspartnern zusammen. Die Kooperationskette will mit Hightech-Textilien neue Lösungen für den Umwelt- und Klimaschutz aufzeigen und der hochspezialisierten Textilindustrie in Sachsen/Thüringen bzw. Oberfranken so Zukunftsmärkte und damit Umsatzchancen eröffnen.

Netzwerkmanagerin Steffi Volland (Luvo-Impex, Oelsnitz) nennt zwei weitere aktuelle Nachhaltigkeitsprojekte die – wie sie betont – „nur mit Weitsicht und branchenübergreifender Kompetenz im Netzwerk“ zu verwirklichen seien: dynamisch steuerbare textile Wand- und Deckensegel zur Verbesserung der Raumakustik beispielsweise in Tagungs- und Speiseräumen sowie textilbasierte Ionentauscher zur Rückgewinnung von Schwermetallen aus Klärschlämmen. Volland gehört mit inzwischen vier Netzwerken, aus denen bisher rund 85 Projekte im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM) für den Umsatz von morgen hervorgegangen sind, zu den erfolgreichsten Netzwerkmanagern. Das seit 2008 existente ZIM des BMWi unterstützt vor allem Kooperationen zwischen Wissenschaft und Industrie.



Redigiert von Petra Gottwald

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