Goldman Sachs warnt vor hohen Bewertungen trotz Börsenrally

Goldman Sachs warnt vor hohen Bewertungen trotz Börsenrally
7 November 2025 Aus Von Daniel Hoffmann

Für Eilige

  • Goldman Sachs hebt seine Gewinnprognose für den S&P 500 im Jahr 2026 auf 308 US-Dollar je Aktie an.
  • Das Bewertungsmodell der Bank impliziert ein Kursziel von 6.800 bis 7.000 Punkten.
  • Zinssenkungen der US-Notenbank könnten die Märkte stützen, aber das Aufwärtspotenzial begrenzen.
  • Andere Analysten wie Jefferies erwarten dank KI und Produktivitätswachstum deutlich stärkere Zuwächse.

Jahresendrally trifft auf vorsichtigen Optimismus

Die traditionelle Jahresendrally ist in vollem Gange, doch Analysten bleiben verhalten optimistisch. Trotz der starken Dynamik an den US-Börsen sieht Goldman Sachs für den S&P 500 in den kommenden 12 bis 18 Monaten nur begrenztes Potenzial. Laut dem aktuellen Marktausblick der Investmentbank dürften Gewinnwachstum und geldpolitische Lockerungen den Markt stützen, doch die Bewertungen seien bereits hoch und lassen daher nur wenig Spielraum für weitere Kursgewinne.

Schwächerer Arbeitsmarkt rückt Zinssenkungen in den Fokus

Neue Daten vom US-Arbeitsmarkt deuten auf eine Abkühlung hin. Die Arbeitslosenquote ist leicht gestiegen, offene Stellen nehmen ab, und Unternehmen agieren bei Neueinstellungen zurückhaltender. Für die Ökonomen von Goldman Sachs könnte dieser Trend die US-Notenbank dazu bewegen, ihre Zinspolitik früher zu lockern.

Die Bank rechnet bis Ende 2025 mit drei Zinssenkungen und mit zwei weiteren im Jahr 2026. Historisch betrachtet haben solche Zinssenkungen den Aktienmärkten Rückenwind verliehen, da niedrigere Finanzierungskosten Investitionen und Konsum ankurbeln. Allerdings sei ein Großteil dieser Erwartungen bereits in die Kurse eingepreist. Zwar tendieren Aktien in Phasen fallender Zinsen zu Kursgewinnen, doch das Ausmaß dürfte diesmal geringer ausfallen als in früheren Zyklen.

Höhere Gewinnprognosen, aber nur begrenztes Potenzial

Goldman Sachs hat seine Gewinnschätzung je Aktie für den S&P 500 im Jahr 2026 auf rund 308 US-Dollar angehoben. Begründet wird dies mit soliden Unternehmensgewinnen und konsequenter Kostendisziplin. Doch da der Index derzeit bei etwa 6.700 Punkten notiert, deutet das von der Bank angepeilte Zielband von 6.800 bis 7.000 Punkten auf nur begrenzten Spielraum nach oben hin.

Mit einer aktuellen Bewertung von rund 22-fachem Gewinn erscheinen US-Aktien laut den Analysten bereits voll bewertet. Weitere Kurssteigerungen dürften daher eher von nachhaltigem Gewinnwachstum als von höheren Multiples abhängen. Das Fazit des Berichts lautet, dass der US-Aktienmarkt weiterhin solide performen dürfte, Anleger jedoch keine überdurchschnittlichen Renditen erwarten sollten.

Jefferies zeigt sich optimistischer

Nicht alle Marktbeobachter teilen die zurückhaltende Einschätzung. Das Investmenthaus Jefferies prognostiziert, dass der S&P 500 bis Ende 2026 auf 7.500 Punkte steigen könnte. Grund dafür seien ein anhaltend starkes Gewinnwachstum und der strukturelle Einfluss der künstlichen Intelligenz.

Jefferies verweist auf hohe Kapitalrenditen großer US-Technologiekonzerne und betont, dass der zunehmende Einsatz von KI die Produktivität in vielen Branchen steigert. Dadurch könnten Gewinne auch in einem moderateren Konjunkturumfeld weiter wachsen und die Bewertungen langfristig stützen.

Worauf Anleger jetzt achten sollten

Mit Blick auf 2026 stellt sich weniger die Frage, ob die Märkte steigen werden, sondern wie stark. Goldman Sachs empfiehlt derzeit eine ausgewogene Strategie: investiert bleiben, aber mit realistischen Erwartungen.

Während die Jahresendrally anhalten könnte, dürften Anleger ihren Fokus stärker auf Gewinnqualität, Inflation und Geldpolitik richten statt auf kurzfristige Stimmungsschwankungen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob das Vertrauen in Wachstum und Technologie das Gewicht hoher Bewertungen übertreffen kann.