ThyssenKrupp-Aktie: Jefferies hält an „Buy“-Empfehlung fest – 13 Euro Kursziel signalisiert starkes Aufwärtspotenzial

ThyssenKrupp-Aktie: Jefferies hält an „Buy“-Empfehlung fest – 13 Euro Kursziel signalisiert starkes Aufwärtspotenzial
27 April 2026 Aus Von Michael Oluwafemi

Die ThyssenKrupp-Aktie steht derzeit unter Druck und notiert bei etwa 8,80 Euro. Viele Anleger beobachten die Entwicklungen im Konzern genau. Trotz der schwierigen Lage im Stahlgeschäft gibt es positive Nachrichten von Analysten. Das renommierte US-Haus Jefferies hat die Kaufempfehlung bestätigt und das Kursziel bei 13 Euro belassen. Das entspricht einem möglichen Kursgewinn von fast 50 Prozent. Die Frage ist: Bietet die aktuelle Schwäche eine gute Einstiegschance?

Analysten sehen langfristige Chancen trotz Risiken

Jefferies-Analyst Tommaso Castello bleibt optimistisch. Er begründet die „Buy“-Einstufung mit verbesserten Rahmenbedingungen für die europäische Stahlindustrie. Strukturelle Verbesserungen, staatliche Förderung für grünen Stahl und bessere Absicherung gegen hohe Energiekosten sprechen dafür. Allerdings verzögert die angespannte Lage im Nahen Osten die erwartete Erholung. Castello rechnet damit, dass sich positive Effekte auf die Gewinne erst ab 2027 deutlich zeigen werden.

Besonders wichtig sind für Jefferies die versteckten Werte im Konzern. Dazu gehören die Beteiligung am Aufzugsgeschäft und mögliche Schritte bei der Materialsparte. Die Analysten sehen hier zusätzliches Potenzial, das den aktuellen Kurs stützen könnte.

Umstrukturierung des Konzerns schreitet voran

ThyssenKrupp will sich neu aufstellen und sich stärker von seinem traditionellen Stahlgeschäft lösen. Der Vorstandsvorsitzende Miguel López hat klargemacht, dass Stahl nicht mehr zum Kerngeschäft des Unternehmens zählt. Gespräche mit dem indischen Konzern Jindal Steel über einen Verkauf der Stahlsparte laufen. López betont jedoch, dass ein Verkauf nur zu fairen Bedingungen erfolgen soll. Im Notfall stehen auch andere Interessenten wie die US-Gruppe Flacks bereit.

Gleichzeitig investiert ThyssenKrupp in die Zukunft des grünen Stahls. Mit staatlicher Unterstützung von bis zu zwei Milliarden Euro soll eine neue Anlage für CO2-arme Stahlproduktion entstehen. Das Projekt soll Ende 2026 starten und einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die Sanierung des Stahlbereichs bis 2030 ist finanziell abgesichert.

Wertvolle Beteiligungen als Rückhalt

Ein großer Pluspunkt ist die Beteiligung an TK Elevator. ThyssenKrupp hält noch etwa 16 Prozent an dem Aufzugsunternehmen. Bei einer Bewertung der Aufzugssparte von bis zu 25 Milliarden Euro würde dieser Anteil einen Wert von rund vier Milliarden Euro darstellen. Das schafft finanziellen Spielraum für die weitere Umstrukturierung.

Zusätzlich prüft der Konzern eine mögliche Abspaltung oder einen Börsengang der Materials Services-Sparte. Dieser Bereich im Werkstoffhandel trägt einen großen Teil zum Umsatz bei. Eine Änderung der Rechtsform zu einer Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) wird diskutiert, um bei Teilverkäufen die Kontrolle zu behalten. Solche Schritte könnten bereits im Herbst 2026 erfolgen und zusätzliches Kapital freisetzen.

Hohe Verluste belasten das Ergebnis

Trotz der positiven Analystenmeinung bleibt die Lage herausfordernd. Für das laufende Jahr 2026 erwartet ThyssenKrupp einen hohen Nettoverlust von bis zu 800 Millionen Euro. Grund dafür sind vor allem Rückstellungen für die Restrukturierung im Stahlbereich. Hohe Energiekosten und die schwierige Marktlage in der Stahlbranche drücken zusätzlich auf das Ergebnis.

Die Aktie hat in den vergangenen Monaten deutlich an Wert verloren. Viele Anleger warten auf klare Fortschritte beim Verkauf der Stahlsparte und beim Ausbau des grünen Stahls. Die Dividende bleibt mit 15 Cent je Aktie stabil, doch bei den aktuellen Kursen fällt die Rendite eher gering aus.

Weitere Analystenstimmen und durchschnittliches Kursziel

Jefferies ist nicht das einzige Haus mit einer positiven Einschätzung. Das durchschnittliche Kursziel mehrerer Analysten liegt bei rund 11,50 bis 11,80 Euro. Einige Experten sind vorsichtiger und empfehlen „Halten“, während andere ebenfalls zum „Kaufen“ raten. Das höchste Kursziel liegt bei 15 Euro, das niedrigste bei etwa 8,30 Euro.

Die Mehrheit der Analysten setzt auf die langfristige Strategie des Konzerns. ThyssenKrupp will sich zu einem modernen Industrieunternehmen entwickeln, das stärker auf grüne Technologien, Marine-Systeme und Autoteile setzt. Der Verkauf oder die Abspaltung von Randbereichen soll Kapital freisetzen und das Kerngeschäft stärken.

Chancen und Risiken im Überblick

Die ThyssenKrupp-Aktie bietet ein klassisches Turnaround-Szenario. Auf der positiven Seite stehen die versteckten Werte durch Beteiligungen, mögliche Abspaltungen und der Einstieg in grünen Stahl. Auf der anderen Seite belasten hohe Verluste, Unsicherheiten beim Stahlverkauf und die allgemeine Lage in der Stahlbranche.

Langfristig orientierte Anleger könnten die aktuelle Kurschwäche als Einstiegschance sehen. Jefferies rechnet mit einer Erholung der europäischen Stahlindustrie. Staatliche Förderprogramme und bessere Absicherung gegen Energiepreise sprechen dafür. Kurzfristig bleiben jedoch Risiken bestehen: Verzögerungen bei Verkäufen, weitere Kostenbelastungen oder eine schwache Konjunktur könnten den Kurs weiter drücken.

ThyssenKrupp beschäftigt weltweit rund 90.000 Mitarbeiter und ist in vielen Bereichen der Industrie aktiv. Die laufende Umstrukturierung unter Miguel López soll das Unternehmen zukunftsfähiger machen und langfristig Wert für die Aktionäre schaffen.

Wichtige Monate liegen vor dem Konzern

Die kommenden Monate werden entscheidend sein. Fortschritte beim Verkauf der Stahlsparte, Entscheidungen zur Materials Services-Sparte und der Ausbau des grünen Stahls könnten neue Impulse für den Aktienkurs geben. Sollte ThyssenKrupp gute Konditionen bei den Verhandlungen erzielen, könnte das den Kurs deutlich nach oben treiben.

Jefferies sieht mit dem Kursziel von 13 Euro ein klares Aufwärtspotenzial. Andere Analysten liegen etwas darunter, erkennen aber ebenfalls Chancen. Anleger sollten die Quartalsberichte und Nachrichten zu den Umstrukturierungsplänen genau im Blick behalten. Eine breite Streuung im Depot bleibt wichtig, da Aktien aus der Stahl- und Industriebranche stark schwanken können.

Zusammenfassend zeigt die Bestätigung der „Buy“-Empfehlung durch Jefferies, dass Experten trotz aktueller Herausforderungen an ThyssenKrupp glauben. Die Aktie wirkt derzeit günstig bewertet, birgt aber auch Risiken durch die laufende Umstrukturierung. Ob das Kursziel von 13 Euro erreicht wird, hängt von erfolgreichen Verkäufen und einer Erholung im Stahlgeschäft ab. Für risikobereite Anleger könnte die aktuelle Phase eine interessante Gelegenheit darstellen.

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