Schwarz Gruppe Startet Mega-Rechenzentrum in Lübbenau: Milliardenprojekt Für Die Lausitz
Die Schwarz Gruppe, Mutterkonzern von Lidl und Kaufland, hat offiziell den Startschuss für eines der größten und modernsten Rechenzentrumsprojekte Europas gegeben. In Lübbenau/Spreewald (Brandenburg) entsteht ein neuer High-Tech-Campus, der unter dem Namen Schwarz Digits Datacenter firmiert und mit rund 11 Milliarden Euro die bislang größte Einzelinvestition der Unternehmensgeschichte darstellt.
Modularer Campus für digitale Infrastruktur und KI
Das Areal umfasst rund 13 Hektar auf dem Gelände eines stillgelegten Braunkohlekraftwerks im Landkreis Oberspreewald-Lausitz. In der ersten Ausbauphase sollen bis Ende 2027 drei von insgesamt sechs geplanten Modulen fertiggestellt werden. Der gesamte Campus soll eine anfängliche Leistung von 200 Megawatt bereitstellen – mit Optionen für weitere Ausbaustufen. Bis zu 100.000 Hochleistungs-Grafikprozessoren (GPUs) sollen dort künftig KI-Modelle in großem Maßstab trainieren und betreiben – deutlich mehr als in vielen vergleichbaren europäischen Projekten.
Das Unternehmen betonte beim Spatenstich, dass das Rechenzentrum komplett mit erneuerbarer Energie betrieben wird. Zudem soll die entstehende Abwärme in das örtliche Fernwärmenetz eingespeist werden – mit dem Potenzial, bis zu 75.000 Haushalte zu versorgen. Lübbenau wurde nicht zufällig gewählt: Die Region bietet bereits eine leistungsfähige Energie- und Glasfaserinfrastruktur sowie ausreichend Fläche für zukünftige Erweiterungen.
Strategische Weichenstellung: Vom Einzelhandel zum digitalen Rückgrat
Für die Schwarz Gruppe ist das Projekt weit mehr als ein Infrastrukturvorhaben. Mit über 14.000 Filialen in 32 Ländern werden digitale Prozesse, Cloud-Strukturen, Lieferketten-Analysen und KI-gestützte Systeme immer wichtiger. Das neue Rechenzentrum soll diese Aufgaben zunächst für den eigenen Konzern übernehmen – bietet jedoch zugleich Kapazitäten für externe Kunden an. Damit positioniert sich die Gruppe als potenzieller europäischer „Hyperscaler“.
Ein zentrales Ziel ist die europäische Datensouveränität: Datenverarbeitung und Infrastruktur sollen unter europäischer Kontrolle bleiben, um Abhängigkeiten von internationalen Cloud-Giganten zu reduzieren.
Regionale Bedeutung: Vom Kohlerevier zum Digitalstandort
Der Wandel vom Braunkohle-Standort zum digitalen Innovationszentrum hat sowohl symbolische als auch wirtschaftliche Bedeutung. Die Wirtschaftsregion Lausitz, die seit Jahren im Strukturwandel steckt, erhofft sich neue Impulse – etwa durch qualifizierte Arbeitsplätze, zusätzliche Investitionen und technische Zulieferbranchen. Zwar werden im Rechenzentrum selbst nur einige hundert Fachkräfte arbeiten, doch die indirekten Effekte könnten erheblich sein.
Ein großer Vorteil des Standorts: Die vorhandene Energieinfrastruktur des ehemaligen Kraftwerks ermöglicht kostengünstige Umrüstungen und eine schnelle Integration erneuerbarer Energien.
Herausforderungen bleiben
Trotz aller Ambitionen ist das Projekt nicht ohne Risiken. Hohe Energiepreise in Deutschland, umfangreiche Genehmigungsverfahren und die Notwendigkeit langfristiger grüner Stromverträge stellen Herausforderungen dar. Gleichzeitig müssen Kühlung, Energieeffizienz und Wärmeauskopplung im realen Betrieb zuverlässig funktionieren.
Auch der Markt selbst birgt Unsicherheiten: Die Nachfrage nach KI-Infrastruktur ist aktuell enorm, kann aber Schwankungen unterliegen. Wird der Ausbau nicht optimal auf den Bedarf abgestimmt, droht Überkapazität.
Was bedeutet das für Deutschlands Digitalstrategie?
Mit diesem Projekt setzt Deutschland ein deutliches Zeichen für leistungsfähige, souveräne Cloud- und KI-Infrastruktur. Der Lübbenauer Campus könnte zum zentralen Baustein europäischer Digitalstrategien werden – insbesondere in Zeiten steigender Nachfrage nach Rechenleistung und sicheren europäischen Datenlösungen.
Gelingt die Umsetzung, könnte die Anlage zu einem Vorbild für nachhaltige, energieeffiziente und skalierbare Rechenzentrumsarchitektur werden.
Fazit
Das Rechenzentrumsprojekt der Schwarz Gruppe in Lübbenau verbindet Einzelhandel, Technologie, KI und regionale Entwicklung in einer neuen Dimension. Die Umsetzung wird anspruchsvoll und kapitalintensiv – doch sie bietet auch große Chancen für den Standort und für Deutschlands digitale Zukunft. Im Spreewald entsteht damit möglicherweise einer der wichtigsten digitalen Knotenpunkte Europas.

