JPMorgan bleibt skeptisch: BASF-Aktie vor entscheidenden Quartalszahlen unter Beobachtung

JPMorgan bleibt skeptisch: BASF-Aktie vor entscheidenden Quartalszahlen unter Beobachtung
15 Juli 2026 0 Von Michael Oluwafemi

Die US-Bank JPMorgan hat ihre zurückhaltende Einschätzung für den Chemiekonzern BASF erneut bestätigt. Analyst Chetan Udeshi beließ das Rating auf „Underweight“. Er sieht den jüngsten Optimismus an der Börse als verfrüht an, auch wenn der Konflikt im Nahen Osten zyklischen Werten vorübergehend geholfen hat. Vor den Halbjahreszahlen am 29. Juli bleibt BASF auf der „Negative Catalyst Watch“-Liste der Bank.

Am Morgen des 15. Juli 2026 notierte die Aktie bei rund 49,25 Euro. Das entsprach einem leichten Rückgang. Im bisherigen Jahresverlauf bewegte sich das Papier zwischen etwa 41 und 55 Euro. Viele Anleger fragen sich nun, ob die laufenden Umbaumaßnahmen des Konzerns ausreichen, um die strukturellen Probleme in der Branche zu überwinden.

Die Kernbotschaft von JPMorgan

Udeshi betonte in seiner Einschätzung, dass geopolitische Verwerfungen zwar kurzfristig für Rückenwind sorgen können. Dennoch überwiegen aus seiner Sicht die langfristigen Herausforderungen. Dazu zählen anhaltende Überkapazitäten, vor allem in China, sowie der hohe Kostendruck an europäischen Standorten. Die Bewertung der Aktie erscheint ihm im historischen Vergleich weiterhin anspruchsvoll.

Diese Haltung passt zu einer Reihe von Analystenstimmen, die in den vergangenen Monaten eher vorsichtig blieben. Gleichzeitig gibt es auch positive Stimmen, die auf die Fortschritte bei strategischen Projekten verweisen.

Strategischer Wandel bei BASF: China als Wachstumsmotor

BASF setzt stark auf Asien. Besonders der neue Verbundstandort im südchinesischen Zhanjiang entwickelt sich positiv. Finanzvorstand Dirk Elvermann zog nach rund 100 Tagen Betrieb eine überraschend gute Bilanz. Das Werk mit Investitionen von 8,7 Milliarden Euro wurde nicht nur fristgerecht, sondern sogar unter Budget fertiggestellt.

Bereits kurz nach dem Start verzeichnete der Standort fast zwei profitable Monate. Elvermann sprach von einer „spektakulären“ Entwicklung. Im ersten vollen Betriebsjahr rechnet BASF zwar noch mit Verlusten durch Anlaufkosten. Ab 2027 soll Zhanjiang jedoch einen klar positiven Beitrag zum Konzernergebnis leisten. Der Standort umfasst einen modernen Steamcracker und mehr als 30 Produktionslinien. Er beliefert lokale Kunden schnell und effizient und stärkt die Wettbewerbsposition in einem der wichtigsten Wachstumsmärkte.

Dieser Schritt folgt der „Local-for-Local“-Strategie des Unternehmens. Statt nur zu exportieren, produziert BASF verstärkt dort, wo die Nachfrage entsteht.

Kostensenkung und Umbau in Europa

Parallel dazu strafft BASF seine Strukturen in Europa. Am Stammsitz Ludwigshafen wurde die Zahl der Beschäftigten deutlich verringert – von rund 33.370 Ende 2024 auf etwa 30.000. Das Unternehmen strebt bis Ende 2026 jährliche Einsparungen von 2,3 Milliarden Euro an. Davon sind bereits 1,9 Milliarden Euro erreicht.

Ein neues Programm mit dem Namen CoreShift soll die zahlungswirksamen Fixkosten im Kerngeschäft bis 2029 um bis zu 20 Prozent senken. Dazu gehören Maßnahmen wie:

  • Stärkere Standardisierung von Prozessen
  • Ausbau von Automatisierung und Digitalisierung
  • Bündelung von Service-Funktionen
  • Verlagerung von IT-, Finanz- und HR-Dienstleistungen an kostengünstigere Standorte wie Indien

Zusätzlich flossen aus dem Verkauf der Coatings-Sparte an den Finanzinvestor Carlyle rund 5,8 Milliarden Euro in die Kasse. BASF behält eine 40-Prozent-Beteiligung an der neuen Einheit. Das frische Kapital gibt dem Konzern finanziellen Spielraum für weitere Investitionen in nachhaltige Technologien und Batteriematerialien.

Wichtige Kennzahlen im Überblick

KennzahlWert (Stand Juli 2026)Kommentar
Aktueller Kursca. 49,25 EURLeichter Rückgang
52-Wochen-Spanne41,48 – 55,05 EURVolatilität hoch
Marktkapitalisierungrund 42 Mrd. EURMittlere Größe im DAX
Geplante Dividende 2026mind. 2,25 EUR je AktieStabile Ausschüttung
Einsparungen bis Ende 20262,3 Mrd. EUR (jährlich)1,9 Mrd. bereits erreicht
Zhanjiang-Investition8,7 Mrd. EURUnter Budget fertig

Diese Übersicht zeigt die Ambitionen des Konzerns, aber auch die Herausforderungen bei der Umsetzung.

Das schwierige Branchenumfeld

Die Chemieindustrie leidet weltweit unter Überkapazitäten. In China haben staatliche Maßnahmen gegen Überproduktion bisher nur begrenzte Wirkung gezeigt. In Europa belasten hohe Energiepreise und schwache Nachfrage aus der Automobil- und Bauindustrie die Margen.

Geopolitische Risiken, darunter Störungen bei Öl- und Gaslieferungen aus dem Nahen Osten, sorgen für zusätzliche Unsicherheit. Zwar können höhere Rohstoffpreise kurzfristig Preisanpassungen ermöglichen. Längerfristig drohen jedoch Nachfragerückgänge, wenn die Weltwirtschaft an Fahrt verliert.

BASF-Chef Markus Kamieth hat in diesem Zusammenhang klargestellt, dass reine Größe kein Ziel mehr sei. Der Fokus liege auf Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit. Der Konzern ist bereit, auch seine Position als einer der größten Chemiekonzerne der Welt aufzugeben, wenn es der langfristigen Ausrichtung dient.

Was Anleger besonders beachten sollten

  • Quartalsbericht am 29. Juli: Hier stehen nicht nur die aktuellen Zahlen im Fokus, sondern vor allem der Ausblick für das zweite Halbjahr und mögliche Anpassungen der Jahresprognose.
  • Dividendenpolitik: BASF gilt traditionell als zuverlässiger Ausschütter. Die geplante Mindestdividende signalisiert Stabilität.
  • China-Risiken: Trotz der Erfolge in Zhanjiang bleibt die Abhängigkeit von der chinesischen Konjunktur und geopolitischen Entwicklungen ein Faktor.
  • Kostendisziplin: Die Fortschritte bei den Sparprogrammen sind sichtbar, müssen aber in den kommenden Quartalen weiter nachhaltig wirken.
  • Nachhaltigkeit: Der neue Standort in China setzt Maßstäbe bei der Reduzierung von CO₂-Emissionen durch erneuerbare Energien und intelligente Verbund-Produktion.

Realistische Perspektiven für die kommenden Monate

BASF befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Umbau. Die Erfolge in China geben Hoffnung. Gleichzeitig erfordert der Abbau von Kosten in Europa viel Disziplin und Akzeptanz innerhalb des Unternehmens.

Ob die Strategie aufgeht, hängt auch von externen Faktoren ab: der Entwicklung der Weltwirtschaft, Energiepreisen und der Dynamik in wichtigen Abnehmerbranchen. Analysten sehen im Schnitt moderates Potenzial für die Aktie, doch die Spanne der Einschätzungen bleibt breit.

Für langfristig orientierte Investoren könnte BASF eine interessante Position darstellen – vorausgesetzt, das Management setzt den eingeschlagenen Kurs konsequent fort. Kurzfristig bleibt die Lage jedoch volatil. Die Quartalszahlen Ende Juli dürften neue Hinweise liefern, in welche Richtung sich der Chemieriese in den nächsten Quartalen bewegt.

Insgesamt steht BASF exemplarisch für die Herausforderungen vieler deutscher Industrieunternehmen: starke technologische Basis, aber harter Wettbewerb und hohe Kosten am Heimatmarkt. Der Weg aus dieser Situation führt über gezielte Investitionen in Wachstumsmärkte und konsequente Effizienzsteigerung. Ob und wie schnell das gelingt, wird die Börse in den kommenden Monaten genau beobachten.