Amazon-Aktie: Jefferies sieht jetzt über 25 % Kurspotenzial
Die Amazon-Aktie zählt seit Jahren zu den Schwergewichten an der Wall Street. Dennoch blieb das Papier im bisherigen Jahresverlauf 2026 hinter vielen anderen großen Technologiewerten zurück. Genau darin sieht die Investmentbank Jefferies nun eine attraktive Chance für langfristige Anleger.
In einer aktuellen Analyse stuft Jefferies Amazon weiterhin mit „Buy“ ein und setzt ein Kursziel von 320 US-Dollar. Vom aktuellen Kursniveau aus entspricht das einem möglichen Aufwärtspotenzial von mehr als 25 Prozent. Nach Ansicht der Analysten wird der Konzern an der Börse derzeit deutlich günstiger bewertet als vergleichbare Unternehmen – obwohl Amazon gleichzeitig vom KI-Boom, dem Cloud-Geschäft und dem weltweiten Onlinehandel profitiert.
Amazon hinkt der Börsenrally hinterher
Während zahlreiche US-Technologiewerte 2026 neue Rekordstände erreicht haben, verlief die Entwicklung der Amazon-Aktie vergleichsweise verhalten.
Seit Jahresbeginn:
| Index / Aktie | Performance 2026 |
| S&P 500 | +21 % |
| Amazon | +13 % |
Diese relative Schwäche interpretiert Jefferies jedoch nicht als Warnsignal, sondern vielmehr als Hinweis darauf, dass die Aktie im Vergleich zu anderen Mega-Caps noch Aufholpotenzial besitzt.
Analyst Brent Thill bezeichnet Amazon als einen der attraktivsten Einstiege in zwei der wichtigsten Zukunftsmärkte gleichzeitig:
- Künstliche Intelligenz (AI)
- Globaler E-Commerce
Bewertung fällt deutlich günstiger aus als bei der Konkurrenz
Der wichtigste Punkt der Jefferies-Studie betrifft die Bewertung. Die Analysten vergleichen den Unternehmenswert anhand des EV/EBITDA-Multiplikators für die kommenden zwölf Monate.
| Unternehmen | EV/EBITDA | Bewertung |
| Amazon | 12x | Deutlich günstiger |
| Alphabet | 17x | Fair bewertet |
| Walmart | 19x | Premium-Bewertung |
Damit handelt Amazon laut Jefferies mit einem Bewertungsabschlag von rund 33 Prozent gegenüber Alphabet und Walmart. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass Amazon gleichzeitig in zwei äußerst profitablen Märkten aktiv ist:
- Cloud Computing über AWS
- Weltweiter Onlinehandel
Aus Sicht der Analysten spiegelt diese Kombination die aktuelle Börsenbewertung bislang nicht angemessen wider.
AWS bleibt der größte Wachstumstreiber
Der eigentliche Kurstreiber dürfte auch in den kommenden Jahren Amazon Web Services (AWS) bleiben. Nach einer Phase vorsichtiger IT-Ausgaben investieren Unternehmen inzwischen wieder massiv in Cloud-Infrastruktur – vor allem wegen der rasant steigenden Nachfrage nach Anwendungen im Bereich der generativen künstlichen Intelligenz. Jefferies geht davon aus, dass der Markt die zukünftigen Erträge von AWS weiterhin unterschätzt.
Wichtige Entwicklungen bei AWS
- Auftragsbestand nähert sich der Marke von 500 Milliarden US-Dollar
- Milliardeninvestitionen in neue Rechenzentren
- Ausbau eigener KI-Chips
- Stark steigende Nachfrage nach AI-Infrastruktur
Parallel dazu rechnen Marktbeobachter damit, dass die Investitionen der großen Hyperscaler wie Amazon, Microsoft und Alphabet im Jahr 2026 auf rund 770 Milliarden US-Dollar steigen könnten.
Als weltweit führender Cloud-Anbieter dürfte Amazon einen erheblichen Anteil dieses Wachstums für sich gewinnen.
Auch das E-Commerce-Geschäft bleibt ein wichtiger Stabilitätsfaktor
Während AWS das Wachstum liefert, sorgt das klassische Handelsgeschäft weiterhin für stabile Umsätze. Amazon verfügt weltweit über eines der effizientesten Logistiknetzwerke und profitiert zusätzlich von mehreren margenstarken Geschäftsbereichen.
Dazu gehören unter anderem:
- Prime-Mitgliedschaften
- Werbegeschäft (Retail Media)
- Marktplatzgebühren
- Eigene Logistikdienstleistungen
Gerade das Werbegeschäft entwickelt sich inzwischen zu einer der profitabelsten Sparten des Konzerns und verbessert kontinuierlich die operativen Margen.
Analysten bleiben außergewöhnlich optimistisch
Auch der allgemeine Analystenkonsens spricht derzeit klar für Amazon.
Die wichtigsten Fakten
| Kennzahl | Wert |
| Analysten insgesamt | 69 |
| Buy / Strong Buy | 65 |
| Hold | 4 |
| Sell | 0 |
Damit gehört Amazon weiterhin zu den beliebtesten Large-Cap-Aktien an der Wall Street.
Chancen für Anleger
Mehrere Faktoren sprechen derzeit für weiteres Kurspotenzial:
- günstige Bewertung gegenüber direkten Wettbewerbern
- führende Position im Cloud-Geschäft
- KI-Boom sorgt für steigende Nachfrage nach AWS
- stark wachsendes Werbegeschäft
- stabile Einnahmen aus dem globalen Onlinehandel
- breite Diversifikation der Umsatzquellen
Gerade die Kombination aus defensivem Einzelhandel und wachstumsstarker Cloud-Infrastruktur macht Amazon für viele institutionelle Investoren besonders attraktiv.
Risiken bleiben bestehen
Trotz der positiven Einschätzungen sollten Anleger auch die Risiken berücksichtigen.
Hohe Investitionen
Der Ausbau der KI-Infrastruktur kostet Milliarden. Sollten Unternehmen ihre KI-Ausgaben langsamer erhöhen als erwartet, könnten sich diese Investitionen kurzfristig auf Margen und freien Cashflow auswirken.
Wettbewerb im Cloud-Markt
Microsoft Azure und Google Cloud investieren ebenfalls massiv in künstliche Intelligenz und versuchen kontinuierlich, Marktanteile von AWS zu gewinnen.
Regulatorischer Druck
Kartellverfahren und strengere Vorgaben für große Technologieplattformen bleiben ein Unsicherheitsfaktor für den gesamten Big-Tech-Sektor.
Fazit
Die aktuelle Jefferies-Analyse zeichnet das Bild eines Unternehmens, dessen Börsenbewertung den operativen Fortschritt bislang nur teilweise widerspiegelt. Während viele Technologieaktien bereits nahe ihrer Rekordbewertungen handeln, erscheint Amazon im Vergleich zu Alphabet und Walmart weiterhin vergleichsweise günstig.
Mit einer starken Position im Cloud-Geschäft, einem rasant wachsenden KI-Markt und einem weltweit führenden E-Commerce-Netzwerk verfügt der Konzern über mehrere langfristige Wachstumstreiber. Sollte sich die Nachfrage nach KI-Infrastruktur wie erwartet weiter beschleunigen, könnte die Bewertungslücke gegenüber anderen Tech-Schwergewichten in den kommenden Quartalen kleiner werden.
Für langfristig orientierte Anleger bleibt die Amazon-Aktie damit einer der interessantesten Kandidaten unter den großen US-Technologiewerten – vorausgesetzt, sie sind bereit, kurzfristige Schwankungen und den hohen Investitionsbedarf des Unternehmens in Kauf zu nehmen.

