Nel ASA Aktie vor dem nächsten Sprung? Diese Zahlen zeigen, ob die Wasserstoff-Wette jetzt dreht

Nel ASA Aktie vor dem nächsten Sprung? Diese Zahlen zeigen, ob die Wasserstoff-Wette jetzt dreht
23 Juli 2026 0 Von Michael Oluwafemi

Die Nel ASA Aktie zählt weiterhin zu den spekulativen Highlights im europäischen Wasserstoff-Sektor. Nach einer längeren Durststrecke richten Anleger den Blick wieder verstärkt auf die operative Entwicklung des norwegischen Elektrolyse-Spezialisten. Besonders die jüngsten Auftragseingänge wecken neue Hoffnung – doch die Geschäftszahlen machen auch klar: Der Pfad zur nachhaltigen Profitabilität ist noch lang.

Starkes Orderwachstum im Q2 2026

Im zweiten Quartal 2026 konnte Nel den Auftragseingang deutlich steigern. Das Unternehmen verbuchte neue Bestellungen im Volumen von 230 Millionen norwegischen Kronen – ein Plus von 171 Prozent zum Vorquartal und sogar 224 Prozent im Jahresvergleich. Besonders erfreulich: Rund 96 Prozent der neuen Aufträge entfielen auf den zukunftsträchtigen Bereich der PEM-Elektrolyseure.

Auch der Auftragsbestand legte zu und erreichte Ende Juni 1,213 Milliarden NOK (+9 % zum Vorquartal). Im Jahresvergleich liegt er jedoch noch leicht unter dem Vorjahresniveau (-3 %). Das Bild bleibt gemischt: Die Nachfrage zieht an, doch Nel muss diese Dynamik nun in steigende Umsätze und bessere Margen umwandeln.

Wasserstoff-Aktie mit neuem Schwung – aber anhaltenden Herausforderungen

Der Auftragseingang ist derzeit einer der wichtigsten Treiber für die Nel-Aktie. Der Wasserstoffmarkt kämpft weiter mit Verzögerungen bei Großprojekten, was Umsatz und Investitionen verschiebt. Nach einem schwachen Jahresstart liefert Q2 jedoch einen klaren Lichtblick.

Wichtige Kennzahlen im Überblick (Q2 2026):

KennzahlWertVeränderung
Umsatz aus Kundenverträgen153 Mio. NOK-12 % zum Vorjahr
Gesamtumsatz + Erträge182 Mio. NOKhöher als Q1
EBITDA-155 Mio. NOKweiter negativ
Auftragseingang230 Mio. NOK+224 % zum Vorjahr
Auftragsbestand1,213 Mrd. NOK+9 % zum Vorquartal
Zahlungsmittel1,328 Mrd. NOKsolide, aber rückläufig

Das zentrale Problem bleibt sichtbar: Während die kommerzielle Pipeline Fortschritte zeigt, steht die Ertragslage unter Druck. Das EBITDA wurde unter anderem durch einen einmaligen Effekt von rund 70 Millionen Kronen im Zusammenhang mit der Einigung mit Iwatani belastet.

PEM-Elektrolyse als Hoffnungsträger

Die PEM-Sparte entwickelt sich zum klaren Wachstumsmotor. Der Auftragsbestand in diesem Segment stieg auf 990 Millionen NOK (+147 Mio. zum Vorquartal). PEM-Elektrolyseure überzeugen durch ihre Flexibilität und eignen sich besonders für die Integration erneuerbarer Energien, bei denen die Wasserstoffproduktion an schwankende Stromverfügbarkeit angepasst werden muss.

Ein konkretes Beispiel ist der Auftrag aus den USA im April: Für rund 7 Millionen US-Dollar liefert Nel PEM-Anlagen, die überschüssige Energie aus einem Wasserkraftprojekt nutzen und zur Netzstabilisierung beitragen sollen. Inbetriebnahme ist für die erste Hälfte 2027 geplant.

Neue Technologie soll Kosten drücken

Im Mai 2026 hat Nel eine neue Generation druckbeaufschlagter alkalischer Elektrolyseure auf den Markt gebracht. Basierend auf über acht Jahren Entwicklungsarbeit und intensiven Tests soll die Plattform Projekte einfacher, günstiger und skalierbarer machen. Genau hier liegt ein entscheidender Hebel: Hohe Kosten und lange Umsetzungszeiten haben den Wasserstoff-Hochlauf bisher gebremst.

Rückblick Q1 2026 und Finanzlage

Das erste Quartal hatte die Schwierigkeiten des Geschäftsmodells noch deutlicher gezeigt: Umsatzrückgang, schwacher Auftragseingang und negatives EBITDA. Umso wichtiger ist die Erholung im zweiten Quartal.

Finanziell bleibt Nel solide aufgestellt mit 1,328 Milliarden NOK an liquiden Mitteln Ende Juni. Der Cash-Bestand sinkt jedoch kontinuierlich – ein Trend, der bei anhaltenden Verlusten beobachtet werden muss. Die starke Bilanz gibt Nel aber den notwendigen Spielraum, um Technologie und Betrieb weiterzuentwickeln.

CEO-Wechsel bringt zusätzliche Unsicherheit

Im Juni 2026 kündigte CEO Håkon Volldal seinen Rücktritt an. Der Führungswechsel kommt in einer sensiblen Phase und wird von Anlegern genau beobachtet. Die neue Spitze muss beweisen, dass sie die technologischen Fortschritte in nachhaltige Geschäftserfolge ummünzen kann.

Fazit: Potenzial vorhanden – aber Umsetzung entscheidet

Die jüngsten Zahlen von Nel ASA liefern ein gemischtes, aber hoffnungsvolles Bild. Der kräftige Anstieg beim Auftragseingang und die Dynamik in der PEM-Sparte sind positive Signale. Gleichzeitig bleibt das Unternehmen defizitär, und der Cash-Verbrauch setzt sich fort.

Für die Nel ASA Aktie hängt alles von der konsequenten Umsetzung ab:

  • Stabil hoher Auftragseingang im zweiten Halbjahr
  • Schnelle Umsetzung der Pipeline in Umsatz
  • Erfolgreiche Markteinführung der neuen alkalischen Technologie
  • Verbesserung der Margen und Reduzierung des Cash-Burns
  • Stabilität nach dem CEO-Wechsel

Die Aktie bleibt eine klare Wette auf den langfristigen Wasserstoff-Boom – mit hohen Chancen, aber auch erheblichen Risiken. Anleger sollten die kommenden Quartalszahlen genau im Auge behalten, insbesondere die Entwicklung von Umsatz, Auftragsbestand und Profitabilität.

Fazit: Kein eindeutiges Kaufsignal, aber ein interessanter Einstiegspunkt für risikobereite Investoren, die an die grüne Wasserstoff-Zukunft glauben. Die nächsten Monate werden zeigen, ob aus der operativen Erholung eine echte Trendwende wird.