Bitwise-CIO Hougan: Märkte Haben Den Krypto-Pivot Der US-Regulierung Noch Nicht Eingepreist

Bitwise-CIO Hougan: Märkte Haben Den Krypto-Pivot Der US-Regulierung Noch Nicht Eingepreist
19 November 2025 Aus Von Michael Oluwafemi

Matt Hougan, Chief Investment Officer von Bitwise Asset Management, warnt davor, dass die Finanzmärkte den bedeutenden Richtungswechsel der US-Regulierung gegenüber Kryptowährungen noch nicht angemessen reflektieren. Er sieht in der Rede von SEC-Chairman Paul S. Atkins sowie in den jüngsten organisatorischen Änderungen bei der Behörde den Beginn eines fundamentalen Wandels – eine Entwicklung, die Märkte bislang weitgehend ignorieren.

Hougan verweist auf die Rede Atkins’ vom 31. Juli dieses Jahres vor dem America First Policy Institute, in der tokenisierte Wertpapiere, DeFi-Infrastruktur und die Nutzung von Blockchain-Netzwerken zentral thematisiert wurden. Vieles deute darauf hin, dass die SEC sich von einer reinen „Regulation by Enforcement“ hin zu einer proaktiven Integrationsstrategie digitaler Assets bewegt. Dennoch – so Hougan – scheinen große Teile des Marktes noch im alten Paradigma verhaftet zu sein.

Was sich ändert und was noch aussteht

Der Wandel zeigt sich in vier zentralen Punkten:

  1. Tokenisierung von Finanzinstrumenten – Aktien, Anleihen oder Fondsanteile könnten künftig auf öffentlichen Blockchains ausgegeben werden.
  2. Moderne Verwahrung – Die SEC betrachtet Selbstverwaltung (Self-Custody) als „amerikanischen Wert“, will aber gleichzeitig registrierte Verwahrstellen stärken.
  3. „Super-App“ für Finanzdienstleistungen – Broker-Händler sollen künftig Wertpapierhandel, Kryptohandel, Staking und Lending unter einem Dach anbieten dürfen.
  4. DeFi im regulatorischen Rahmen – Auch automatisierte Market-Maker (AMMs) und On-Chain-Handelsplätze sollen unter Überwachung möglich werden.

„Wenn tatsächlich ein großer Teil der Vermögenswerte auf öffentliche Blockchains wandert, dann wollen Sie in den Netzwerken sitzen, die das hosten“, so Hougan. Und er ergänzt: „Wenn ich es nicht eingepreist hatte – dann haben es die Märkte vermutlich auch noch nicht.“

Warum die Märkte hinken

Hougan führt mehrere Gründe an, warum dieser Pivot bislang kaum im Preisniveau reflektiert wird:

  • Der regulatorische Wandel ist erst in den Anfängen und viele operative Details fehlen noch.
  • Traditionsmärkte sind skeptisch und warten auf belastbare Umsetzung.
  • Viele Kapitalallokationen basieren auf alten Annahmen – „digitales Gold“, Spekulation oder reiner Token-Trading. Der Übergang zu echten Infrastruktur-Assets wird unterschätzt.

Seiner Einschätzung nach könnten sich die Folgen des Wandels auf Kryptowährungen, Tokenisierung und Blockchain-Protokolle deutlich schneller entfalten – als viele derzeit erwarten. Damit sieht er erhebliches Upside-Potenzial in einem Markt, der bisher von Skepsis und Volatilität geprägt war.

Chancen für Investoren und Risiken

Für Investoren ergeben sich daraus strategische Überlegungen:

  • Infrastruktur-Fokus: Layer-1/Layer-2-Netzwerke, Token-Standards und Verwahrstellen könnten zu zentralen Wachstumstreibern werden.
  • Plattform-Wetten: Broker-Händler und FinTechs, die Kryptohandel, Staking und Lending vereinen, könnten eine neue Generation von Finanzdienstleister*innen formen.
  • Regulatorische Klarheit: Eine klare Regulierungslandschaft könnte das Kapital in bislang unterentwickelte Segmente wie institutionelle Krypto-Allokationen lenken.

Doch gleichzeitig bleiben Risiken bestehen: Die Umsetzung des Regulierungsrahmens könnte sich verzögern, und technische oder marktseitige Rückschläge sind möglich. Zudem könnten überzogene Erwartungen zu Enttäuschungen führen, wenn die Infrastruktur-Reife langsamer kommt als gedacht.

Ausblick: Jetzt oder nie für Märkte

Hougan glaubt, dass wir an einem strategischen Wendepunkt stehen – die Frage ist, wann der Markt dies vollumfänglich erkennen wird. „Wenn Sie glauben, dass dieser Wandel real ist – dann könnte jetzt die Zeit sein, Positionen zu überdenken“, so seine Empfehlung.

Letztlich sei der Schlüssel nicht, ob Kryptowährungen weiterhin volatil sind, sondern ob institutionelles Kapital und klassische Finanzinstrumente in den neuen regulatorischen Rahmen integriert werden. Sollte dieser Prozess Fahrt aufnehmen, könnte das eine neue Ära einläuten – und Marktteilnehmer, die früh agieren, könnten davon profitieren.