KI-Boom noch lange nicht am Ende: UBS sieht keine Nvidia-Blase

KI-Boom noch lange nicht am Ende: UBS sieht keine Nvidia-Blase
24 November 2025 Aus Von Daniel Hoffmann

Zusammenfassung

  • UBS erwartet, dass die weltweiten Investitionen in KI bis 2030 auf über 1,3 Billionen US-Dollar pro Jahr steigen.
  • Die Bank erkennt keine Parallelen zur Dotcom-Blase und verweist auf stärkere Cashflows und transparentere Finanzierungsstrukturen.
  • Nvidia bleibt ein zentraler Gewinner des KI-Booms, dennoch rät UBS zu einer breiteren Diversifizierung im Sektor.
  • Erste Produktivitätsfortschritte und zunehmende Nutzung zeigen, dass der KI-Zyklus noch erhebliches Wachstumspotenzial besitzt.

KI-Investitionen werden deutlich steigen

Der weltweite Boom rund um künstliche Intelligenz beschleunigt sich weiter. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse der UBS. Die Bank rechnet damit, dass die globalen KI-Investitionen im kommenden Jahr 423 Milliarden US-Dollar erreichen und 2026 auf 571 Milliarden US-Dollar steigen. Bis 2030 könnte das jährliche Investitionsvolumen auf 1,3 Billionen US-Dollar anwachsen.

UBS geht von einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum der KI-Investitionen von rund 25 Prozent aus. Frühere Prognosen hätten die Geschwindigkeit der KI-Adoption regelmäßig unterschätzt, was darauf hindeutet, dass auch die aktuellen Schätzungen eher vorsichtig ausfallen könnten. Die Nachfrage nach Hochleistungschips, Rechenzentren und skalierbarer Computerleistung nimmt in nahezu allen Branchen stark zu.

Keine Anzeichen einer Dotcom-ähnlichen Blase

Trotz starker Marktbegeisterung, insbesondere rund um Nvidia, erkennt UBS keine Hinweise auf eine spekulative Blase. Die Bank betont, dass sich der heutige Technologiezyklus deutlich vom Internetboom der späten 1990er-Jahre unterscheidet.

Große Tech-Konzerne erzielen heute robuste operative Cashflows und sind weniger abhängig von Fremdfinanzierung. Auch die Strukturen von Finanzierungsvereinbarungen haben sich verbessert. Während in der Dotcom-Ära extrem umfangreiche supplier-finanzierte Deals üblich waren, fallen solche Modelle heute deutlich kleiner aus. 

Ein Beispiel ist Nvidias jüngste Vereinbarung mit dem KI-Entwickler Anthropic, die rund 10 Prozent des prognostizierten Vorsteuergewinns für 2026 ausmacht. Vergleichbare Vereinbarungen in den 1990er-Jahren überstiegen häufig den gesamten Jahresgewinn eines Unternehmens.

Zusätzlich verweist UBS auf mehr Transparenz, strengere regulatorische Rahmenbedingungen und klarere Bilanzierungsstandards. All dies verringere das Risiko jener Übertreibungen, die zum Platzen der Dotcom-Blase geführt hatten.

Frühe Produktivitätsgewinne stützen die Einschätzung

Obwohl die KI-Investitionen derzeit noch schneller wachsen als die damit erzielten Umsätze, sieht UBS zunehmende Hinweise auf reale wirtschaftliche Vorteile. Cloud-Anbieter berichten von anhaltender Nachfrage nach KI-Dienstleistungen, und große Unternehmen verzeichnen messbare Produktivitätssteigerungen. Dazu gehören weniger manuelle Arbeitsschritte, mehr Automatisierung und Effizienzgewinne in der Softwareentwicklung.

Diese Fortschritte unterstützen die Einschätzung, dass der KI-Boom auf einem langfristigen strukturellen Wandel basiert und nicht auf kurzfristigem Hype. UBS geht davon aus, dass sich die Lücke zwischen Investitionen und Umsätzen mit der Zeit weiter schließen wird.

Nvidia führt an, aber breite Streuung bleibt wichtig

Nvidia bleibt einer der wichtigsten Akteure im globalen KI-Ausbau und liefert die Beschleuniger-Systeme, die viele führende KI-Modelle antreiben. Die Aktie des Unternehmens ist stark gestiegen, da Investoren auf langfristiges Wachstum im Bereich Rechenzentren setzen.

UBS rät jedoch davon ab, ausschließlich auf ein einzelnes Spitzenunternehmen zu setzen. Stattdessen empfiehlt die Bank eine breite Streuung über das gesamte KI-Ökosystem, einschließlich Chiphersteller, Cloud-Infrastruktur-Anbieter, KI-Softwareunternehmen und Hardwarelieferanten. Diese Strategie reduziert Klumpenrisiken und ermöglicht es dennoch, von der allgemeinen Marktdynamik zu profitieren.

Ein langfristiger Wandel statt einer kurzfristigen Rally

Die UBS kommt zu dem Schluss, dass sich der KI-Zyklus noch in einer frühen Phase befindet. Mit steigenden Investitionen, zunehmender Monetarisierung und klareren Produktivitätsvorteilen erwartet die Bank, dass der Sektor über viele Jahre hinweg weiter wächst.

Für Anleger ergibt sich daraus eine eindeutige Botschaft: Die KI-Rally besitzt weiterhin erhebliches Potenzial, und die Chancen gehen weit über ein einzelnes Unternehmen hinaus.

Siehe auch: Nvidias Rekordzahlen mildern Befürchtungen über eine Abkühlung des KI-Marktes