Digitaler Euro kommt näher: EZB startet 2027 Pilotphase – Startschuss für Europas digitales Geld

Digitaler Euro kommt näher: EZB startet 2027 Pilotphase – Startschuss für Europas digitales Geld
31 Oktober 2025 Aus Von Daniel Hoffmann

Digitaler Euro kommt näher: EZB startet 2027 Pilotphase – Startschuss für Europas digitales Geld

Die Europäische Zentralbank (EZB) treibt das Projekt „Digitaler Euro“ mit Nachdruck voran. Nach einer zweijährigen Vorbereitungsphase hat der EZB-Rat nun beschlossen, in die nächste Entwicklungsstufe überzugehen. Damit rückt die Einführung der europäischen Zentralbank-Digitalwährung (CBDC) näher – ein Pilotprojekt könnte bereits 2027 beginnen, die erste Ausgabe ist für 2029 geplant.

Die Entscheidung markiert einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu einer neuen europäischen Zahlungslösung. Laut EZB soll der digitale Euro künftig das Bargeld ergänzen und Bürgern wie Unternehmen einen einfachen, sicheren und datenschutzkonformen Zugang zu digitalen Zahlungen ermöglichen.

Technische und rechtliche Grundlagen

Die neue Phase konzentriert sich auf drei Schwerpunkte:

  1. Technische Infrastruktur: Aufbau erster Prototypen, inklusive einer Funktion für Offline-Zahlungen.
  2. Zusammenarbeit mit Marktteilnehmern: Intensive Tests mit Banken, Händlern und Verbrauchern.
  3. Gesetzliche Grundlage: Unterstützung des laufenden Gesetzgebungsprozesses auf EU-Ebene.

Der digitale Euro wird, anders als Kryptowährungen wie Bitcoin, auf einem zentral verwalteten Ledger basieren. Zwar sollen einige Blockchain-Elemente integriert werden, die Kontrolle verbleibt jedoch beim Eurosystem.

Die gesetzliche Basis für den digitalen Euro befindet sich derzeit in der Abstimmung zwischen Europäischer Kommission, Rat und Parlament. Sollte das Gesetz bis Mitte 2026 verabschiedet werden, könnte die Pilotphase im Jahr 2027 beginnen.

Politischer Rückenwind für Europas Währungsprojekt

Das Thema hat auch auf höchster politischer Ebene Priorität. Beim Euro-Gipfel im Oktober 2025 forderten mehrere Staats- und Regierungschefs, das Projekt zügig voranzutreiben. Der digitale Euro soll Europas Souveränität im Zahlungsverkehr stärken, technologische Innovation fördern und Abhängigkeiten von außereuropäischen Zahlungsanbietern wie Visa oder PayPal reduzieren.

EZB-Vorstandsmitglied Piero Cipollone sprach von einem „Zukunftsprojekt für ganz Europa“, das Stabilität und Sicherheit auch in Krisenzeiten gewährleisten solle – von Cyberangriffen bis hin zu geopolitischen Spannungen.

Kosten und Nutzen des digitalen Euro

Nach aktuellen Schätzungen belaufen sich die Entwicklungskosten bis zur Erstausgabe auf rund 1,3 Milliarden Euro. Ab 2029 sollen die jährlichen Betriebskosten bei etwa 320 Millionen Euro liegen. Wie bei der Bargeldproduktion werden diese Kosten vom Eurosystem getragen und durch sogenannte Seigniorage-Einnahmen – also Gewinne aus der Geldschöpfung – kompensiert.

Für Verbraucher soll die Nutzung des digitalen Euro kostenlos bleiben. Gleichzeitig betont die EZB, dass Banken weiterhin eine zentrale Rolle im Zahlungsverkehr spielen werden.

Datenschutz und Akzeptanz als Schlüsselthemen

Trotz der Fortschritte stößt das Projekt in Teilen der Politik, bei Banken und in der Bevölkerung auf Skepsis. Kritiker befürchten mögliche Eingriffe in die Privatsphäre oder eine schleichende Abschaffung des Bargelds.

Die EZB versucht, diese Bedenken durch technische Maßnahmen zu entschärfen – darunter Offline-Funktionen, Holding-Limits und pseudonyme Transaktionen, die mehr Datenschutz gewährleisten sollen. Zudem wurde ein breiter Konsultationsprozess gestartet, um die Bedürfnisse von Verbrauchern, Händlern und sensiblen Nutzergruppen zu berücksichtigen.

Europa im internationalen Vergleich

Mit dem digitalen Euro zieht Europa im weltweiten Wettbewerb der Zentralbank-Digitalwährungen nach. Während Länder wie Nigeria, Jamaika und die Bahamas bereits CBDCs eingeführt haben, befinden sich laut dem Atlantic Council über 49 weitere Staaten in der Pilotphase. Die EU strebt jedoch einen besonders umfassenden und interoperablen Ansatz an – einen digitalen Euro, der für 500 Millionen Europäer funktioniert.

Fazit

Der digitale Euro nimmt konkrete Formen an. Ob er das Bargeld langfristig ergänzt oder gar ersetzt, bleibt offen. Fest steht: Europa bereitet sich darauf vor, im digitalen Zahlungsverkehr eine führende Rolle einzunehmen – mit einem System, das technologische Innovation mit europäischer Wertebasis verbindet.