FTX-Gläubiger erhalten voraussichtlich nur einen Bruchteil ihrer Verluste zurück
Auszahlungen fallen geringer aus als versprochen
Tausende Anleger, die noch auf Entschädigung aus der Insolvenz der Krypto-Börse FTX warten, werden vermutlich deutlich weniger erhalten als erwartet. Obwohl der Restrukturierungsplan der Firma eine Rückzahlung von 143 Prozent in US-Dollar vorsieht, warnen Experten, dass der tatsächliche Wert deutlich niedriger sein wird, sobald die Entwicklungen am Kryptomarkt berücksichtigt werden.
Ein führendes Mitglied der Gläubiger-Community, das online unter dem Namen Sunil bekannt ist, erklärte, dass die Rückzahlungen auf aktuellen Kryptowährungspreisen basieren – und nicht auf den Werten zum Zeitpunkt des FTX-Zusammenbruchs im Jahr 2022. Da die Preise digitaler Vermögenswerte seither stark gestiegen sind, sinkt der reale Wert der Entschädigung erheblich.
Große Lücke zwischen Versprechen und Realität
Schätzungen aus dem Gläubigerkreis zeigen, wie groß der Unterschied sein könnte:
- Bitcoin-Inhaber erhalten voraussichtlich nur etwa 22 Prozent ihres ursprünglichen Bestands.
- Ethereum-Gläubiger könnten rund 46 Prozent zurückbekommen.
- Solana-Investoren rechnen mit lediglich 12 Prozent Rückzahlung.
Der Grund liegt in der Bewertungsmethode. Die Forderungen wurden während des Insolvenzverfahrens in US-Dollar erfasst, doch die Rückzahlungen orientieren sich an den aktuellen Marktpreisen der Kryptowährungen. Da diese seit 2022 stark gestiegen sind, machen die festen Krypto-Beträge, die nun verteilt werden, einen deutlich kleineren Anteil der ursprünglichen Werte aus.
So werden die Auszahlungen abgewickelt
FTX hat in diesem Jahr bereits zwei große Auszahlungsrunden abgeschlossen. Die erste im Februar betraf kleinere Forderungen unter 50.000 US-Dollar. Die zweite im Mai verteilte etwa fünf Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten über Verwahrstellen wie Kraken und BitGo.
Weitere Runden sind geplant, doch eine vollständige Erholung gilt als unwahrscheinlich. Einige Gläubiger könnten zusätzliche kleine Vergütungen über Community-Projekte wie Paradex erhalten, das Airdrops für verifizierte FTX-Gläubiger plant. Diese Aktionen gelten als freiwillige Boni, nicht als offizielle Entschädigung.
Lehren für die Krypto-Branche
Der Fall FTX zeigt deutlich, wie schwierig Insolvenzverfahren im Kryptosektor sein können. Starke Kursschwankungen machen es kompliziert, eine „vollständige Rückzahlung“ zu definieren. Wenn Forderungen in Fiat-Währung bewertet, aber in Krypto ausgezahlt werden, kann ein Preisanstieg die tatsächliche Kaufkraft der Rückzahlung verringern.
Analysten sehen darin ein Signal für die Notwendigkeit klarerer gesetzlicher und regulatorischer Standards zur Bewertung digitaler Vermögenswerte in Insolvenzverfahren. Mehr Transparenz könnte Anleger besser schützen und Vertrauen in den Kryptomarkt zurückbringen.
Rechtliche Verfahren laufen weiter
Der ehemalige FTX-Gründer Sam Bankman-Fried, der Anfang des Jahres zu 25 Jahren Haft verurteilt wurde, soll am 4. November vor einem US-Berufungsgericht erscheinen. Sein Verfahren gilt weiterhin als zentrales Kapitel in einem der größten Finanzskandale der Krypto-Geschichte.
Für die Tausenden von Gläubigern bleibt der Weg zur finanziellen Erholung lang. Trotz offizieller Zusagen über großzügige Rückzahlungen zeigt sich nun, dass die Zahlen auf dem Papier besser aussehen, als sie es in der Realität sind.

