Kryptobörse Im Skandal: Wie Die FTX-Sanierer Vom Untergang Profitieren

Kryptobörse Im Skandal: Wie Die FTX-Sanierer Vom Untergang Profitieren
3 November 2025 Aus Von Daniel Hoffmann

Ein neuer Skandal erschüttert die Krypto industrie: Dokumente und Insiderberichte legen nahe, dass mehrere Berater, Anwälte und Sanierungsfirmen, die nach dem Kollaps der Kryptobörse FTX eingesetzt wurden, selbst massiv vom Zusammenbruch profitiert haben.

Die Enthüllungen werfen ein grelles Licht auf die undurchsichtige Verflechtung zwischen Insolvenzverwaltern, Beratern und der einst gefeierten Plattform – und wecken Erinnerungen an den größten Finanzskandal der Krypto-Geschichte.

Der Fall FTX Und Die Milliardenschwere Abwicklung

Nach dem spektakulären Zusammenbruch von FTX im November 2022 übernahm ein Team aus US-amerikanischen Insolvenzverwaltern und Finanzexperten die Aufgabe, die Vermögenswerte des Unternehmens zu sichern und Ansprüche der Gläubiger zu prüfen. Angeführt wurde die Sanierung von John J. Ray III, einem erfahrenen Restrukturierung spezialisten, der bereits bei Enron tätig war.

Ziel war es, den entstandenen Schaden – über 8 Milliarden US-Dollar an Kundengeldern – so weit wie möglich zu begrenzen. Doch nun zeigen neue Berichte: Viele dieser „Retter“ verdienten selbst Millionenbeträge – nicht nur an Beraterhonoraren, sondern auch über indirekte Beteiligungen und Insidergeschäfte.

Millionen Honorare Und Interessenkonflikte

Laut internen Abrechnungen, die WirtschaftsWoche und andere Medien einsehen konnten, erhielten allein die beteiligten Kanzleien und Consulting-Firmen in den letzten 18 Monaten mehr als 300 Millionen US-Dollar an Gebühren.

Ein erheblicher Teil dieser Zahlungen floss an Kanzleien wie Sullivan & Cromwell und Wirtschaftsprüfer von Alvarez & Marsal, die tief in den Restrukturierungsprozess eingebunden waren.

Kritiker sprechen von Interessenkonflikten, da einige dieser Unternehmen bereits vor der Insolvenz für FTX oder verbundene Firmen gearbeitet haben.

„Wenn dieselben Akteure, die an der Prüfung und Beratung beteiligt waren, später die Abwicklung übernehmen, entsteht der Eindruck, dass das System sich selbst bedient“, sagte ein ehemaliger US-Finanzaufseher anonym.

Neue Enthüllungen: Beteiligungen An Folgeprojekten

Besonders brisant: Mehrere leitende Berater der FTX-Abwicklung sollen inzwischen in Nachfolgefirmen investiert haben, die Teile der FTX-Infrastruktur günstig übernommen haben – darunter Handelssoftware, Datenbanken und Blockchain-Lizenzen.

Ein Beispiel ist FTX 2.0, ein Projekt, das die verbliebenen Plattform-Ressourcen reaktivieren und unter neuer Leitung wieder an den Markt bringen will.

Laut US-Insolvenzunterlagen halten ehemalige Sanierungsberater hier indirekte Anteile über Fonds und Zweckgesellschaften.

„Was als Rettungsmission begann, hat sich für einige in ein hochprofitables Investment verwandelt“,
sagt David Liu, Analyst für Krypto-Governance beim Thinktank Blockchain Policy Group.

„Die ursprünglichen Opfer – Kunden und Anleger – sehen dagegen bislang kaum Rückzahlungen.“

Regulatorische Kritik Und Politische Folgen

Die Enthüllungen rufen nun Aufsichtsbehörden und Politiker auf den Plan. Das US-Justizministerium prüft, ob Honorare und Beteiligungen gegen Insolvenzrecht oder Treuhandpflichten verstoßen haben.

Auch der Kongress forderte Aufklärung, nachdem mehrere Abgeordnete die „fehlende Transparenz und mögliche Bereicherung im Schatten der Krise“ kritisierten.

Die US-Börsenaufsicht (SEC) betonte, dass die Krypto-Branche dringend klare Compliance- und Ethikstandards brauche – nicht nur für Börsen, sondern auch für Berater und Insolvenzverwalter.

„Wenn selbst die Sanierer zu Gewinnern werden, während Millionen Anleger alles verlieren, dann stimmt etwas Grundsätzliches nicht“,
sagte die Abgeordnete Elizabeth Warren am Freitag in Washington.

Fazit: Der Zweite Skandal Nach Dem Skandal

Während die juristische Aufarbeitung von FTX noch Jahre dauern dürfte, zeigt der neue Bericht eines deutlich:

Der Untergang von FTX hat nicht nur Verlierer hervorgebracht. In einem System, das kaum reguliert ist und in dem Beratungsfirmen und Anwälte in eigener Sache handeln können, haben manche Akteure aus der Krise Kapital geschlagen.

Für viele Anleger wirkt das wie der zweite große Skandal nach dem eigentlichen Kollaps– einer, der das Vertrauen in die Integrität der Krypto-Industrie erneut erschüttert.