BoE Startet Konsultation Zu Systemischen Stablecoins -Tether Im Fokus

BoE Startet Konsultation Zu Systemischen Stablecoins -Tether Im Fokus
13 November 2025 Aus Von Michael Oluwafemi

In einer Sitzung am 10. November 2025 veröffentlichte die Bank of England (BoE) ein Konsultationspapier zur Regulierung sogenannter systemischer Stablecoins in Großbritannien. Zugleich gerät der größte Stablecoin-Anbieter Tether in die Schlagzeilen – mit komplexen Transaktionen Netzwerken, Beteiligungen und internen Deals, die branchenweit Fragen zur Transparenz aufwerfen.

Was Die BoE Vorschlägt

Das Papier richtet sich an Stablecoin-Emittenten, deren Token – wie die Techniker es nennen – eine „weite Nutzung im Zahlungsverkehr“ haben könnten. Dazu zählt zum Beispiel die Verwendung im Einzelhandel, bei grenzüberschreitenden Überweisungen oder im Wholesale-Zahlungsverkehr. Solche Stablecoins sollen künftig einer Regulierung unterliegen, die mehrere Kernpunkte umfasst:

  • Emittenten dürfen bis zu 60 % ihrer Rücklagen in kurzfristige britische Staatspapiere investieren, während 40 % bei der BoE liegen müssen. In Übergangsphasen sind bis zu 95 % erlaubt.
  • Es wird über Haltedauer- und Mengengrenzen nachgedacht – etwa dass Privatpersonen nur Token im Wert von etwa £20.000 halten dürfen; Unternehmen könnten höhere Limits haben.
  • Der Regulierungsrahmen unterscheidet zwischen „systemischen“ und „nicht-systemischen“ Stablecoins. Erstere würden direkt von der BoE überwacht, letztere bleiben unter der Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA).
  • Ein „Lifeboat“-Mechanismus für den Fall eines Emittenten-Zusammenbruchs soll sichergestellt werden – um eine Bedrohung der Finanzstabilität zu vermeiden.

BoE-Vizegouverneurin Sarah Breeden erklärte: „Unser Ziel bleibt es, Innovation zu unterstützen und Vertrauen in diese neue Form des Geldes aufzubauen. Die heutigen Vorschläge markieren einen entscheidenden Schritt hin zu einem regulierten Stablecoin-Regime in Groß­britannien.“

Tether Im Zentrum Der Kritik

Während die BoE ihre Konsultation öffnet, steht Tether – Herausgeber des weltweit größten Stablecoins USDT – im Rampenlicht. Medienberichte zeigen, wie Tether indirekt große Beteiligungen besitzt oder finanzielle Verflechtungen eingeht:

  • Tether unterstützte eine Übernahme oder Großinvestition im Umfang von rund US$ 767 Mio. bei Rumble / Northern Data AG, wobei Tether über verschiedene Vehikel als Finanzier auftrat.
  • Diese Transaktionen werfen Fragen auf, wie klar die Trennung zwischen Emittent, Tochtergesellschaften und kommunizierten Geschäftsmodellen bei Stablecoins eigentlich ist.
  • Parallel kündigte Tether die Einführung eines neuen US-gerichteten Stablecoins namens USAT über eine gemeinsame Tochter mit Anchorage Digital an – ein Schritt, der dem regulatorischen Umfeld in den USA und UK Rechnung zu tragen scheint.

Die Verbindung von Tether mit umfangreichen Beteiligungen, Krediten und strategischen Deals unterstreicht die Komplexität und potenzielle Risiken des Stablecoin-Geschäftsmodells.

Bedeutung Für Den Markt Und Investoren

Diese beiden Entwicklungen – die BoE-Konsultation und die Tether-Strukturen – sprechen eine gemeinsame Sprache: Der Stablecoin-Sektor steht vor einem entscheidenden Wandel. Für Unternehmen und Investoren bedeutet das:

  • Regulatorische Klarheit könnte Innovation befeuern – Stablecoins können effizienter und sicherer werden.
  • Wer heute Stablecoins emittiert oder nutzt, muss die Transparenz, Governance und Rücklagen Qualität sicherstellen – sonst riskiert man regulatorische Nachteile oder Marktvertrauen Verlust.
  • Investoren sollten aufmerksam sein bei Unternehmen, die hinter Stablecoins stehen – insbesondere wenn Beteiligungen, Kreditstrukturen oder interne Deals wenig durchleuchtet sind.
  • Der britische Ansatz unterscheidet sich deutlich von dem in der EU (unter MiCA) oder den USA (GENIUS Act) – Anleger und Betreiber müssen globale Unterschiede berücksichtigen.

Ausblick: Was Kommt Als Nächstes?

Die Konsultationsphase der BoE läuft bis zum 10. Februar 2026. Danach sollen die endgültigen Codes of Practice veröffentlicht werden, mit Wirkung ab spätestens 2026. Emittenten systemischer Stablecoins müssen sich vorbereiten: Geschäftsmodelle, Rücklagenstruktur, Governance-Mechanismen und Übergangspläne müssen robust sein.

Gleichzeitig steht Tether vor einer Marktprüfung: Investoren und Regulatoren werden genau hinsehen, wie klar Tether seine Beteiligungen, Kredite und Stablecoin-Struktur kommuniziert.

In Kombination könnte diese Phase den Beginn eines neuen globalen Kapitels für Stablecoins markieren – von Wildwest-Märkten hin zu verantwortungsbewusster digitaler Geldinfrastruktur.

Fazit:

Die Veröffentlichung des Konsultationspapiers durch die BoE und die entreissenden Einblicke in Tether-Interdependenzen verdeutlichen: Stablecoins sind kein Nischen­phänomen mehr, sondern Bestandteil der Finanzmarkt­infrastruktur. Innovation bleibt möglich – aber künftig unter klaren Regeln. Anleger, Emittenten und Regulatoren erleben gerade den Moment, in dem digitale „Coins“ zu echten „Money“-Instrumenten werden.