EZB belässt Leitzins bei 2,0 Prozent – Lagarde setzt auf Stabilität im Euroraum

EZB belässt Leitzins bei 2,0 Prozent – Lagarde setzt auf Stabilität im Euroraum
1 November 2025 Aus Von Daniel Hoffmann

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält trotz moderat steigender Inflation an ihrem geldpolitischen Kurs fest. Zum dritten Mal in Folge ließ der EZB-Rat den Leitzins unverändert bei 2,0 Prozent. Damit signalisiert die Notenbank, dass sie nach einem Jahr intensiver Zinssenkungen eine Phase der Beobachtung und Stabilisierung einläutet.

Abwartende Haltung nach acht Zinssenkungen

Von Juni 2024 bis Juni 2025 hatte die EZB die Zinsen insgesamt achtmal gesenkt, um auf die deutliche Abschwächung der Inflation zu reagieren und die Konjunktur in der Eurozone zu stützen. Nun aber setzen die Währungshüter auf Kontinuität.
„Der EZB-Rat legt sich nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad fest“, heißt es in der Mitteilung der Zentralbank. Man wolle künftig von Sitzung zu Sitzung auf Grundlage neuer Daten entscheiden.

Die Entscheidung folgt einer Zeit relativer geldpolitischer Ruhe, nachdem die Phase der Zinssenkungen das Kreditumfeld deutlich gelockert hatte. Banken, Unternehmen und Verbraucher erhalten so Planungssicherheit, während die EZB zugleich ihre Handlungsfähigkeit für mögliche Krisen wahrt.

Inflation bleibt nahe dem Ziel

Die Inflationsrate im Euroraum stieg im September auf 2,2 Prozent – und damit erstmals seit dem Frühjahr leicht über das offizielle Ziel der EZB von zwei Prozent. Präsidentin Christine Lagarde betonte, dass die derzeitigen Preisbewegungen im Rahmen der Erwartungen liegen.
„Wir sehen eine längere Phase annähernder Preisstabilität“, sagte Lagarde nach der Ratssitzung in Frankfurt. Für Oktober rechnen Volkswirte mit einem leichten Rückgang der Teuerung auf rund 2,1 Prozent.

Damit bestätigt sich das Bild einer sanften Landung der Inflation nach den turbulenten Jahren 2022 bis 2024, in denen Energiepreise, Lieferengpässe und geopolitische Spannungen die Preise stark nach oben getrieben hatten.

Experten erwarten längeren Stillstand

Viele Ökonomen gehen davon aus, dass die EZB den Leitzins nun für mehrere Monate unverändert lassen wird. „Die Notenbank hat sich den nötigen Spielraum verschafft, um im Fall einer wirtschaftlichen Abschwächung reagieren zu können“, sagte der österreichische Notenbankchef Martin Kocher. Die Geldpolitik müsse vorsichtig bleiben, um mögliche Schocks in der Weltwirtschaft abfedern zu können.

Auch an den Finanzmärkten wird die Entscheidung weitgehend als Signal der Stabilität interpretiert. Der Euro zeigte sich am Devisenmarkt kaum verändert, während die Renditen europäischer Staatsanleihen leicht nachgaben – ein Zeichen dafür, dass Anleger von einer länger anhaltenden Niedrigzinsphase ausgehen.

Blick nach vorn

Trotz der positiven Tendenz bleibt die EZB vorsichtig optimistisch. Risiken bestehen weiterhin – etwa durch geopolitische Unsicherheiten, schwaches globales Wachstum und anhaltende Haushaltsdefizite in einigen Mitgliedsstaaten. Lagarde betonte, dass die Notenbank weiterhin „alle Instrumente zur Verfügung“ habe, um Preisstabilität zu sichern, sollte sich die wirtschaftliche Lage unerwartet verschlechtern.

Für die Bürgerinnen und Bürger im Euroraum bedeutet die Entscheidung zunächst Ruhe an der Zinsfront: Kredite bleiben günstig, und die Inflation scheint weitgehend unter Kontrolle. Die EZB bleibt damit ihrem Kurs treu – behutsam, datenorientiert und auf Stabilität bedacht.