DAX im freien Fall: Straße von Hormus erneut gesperrt – US-Angriff auf iranischen Frachter „Touska“ und gescheiterte Verhandlungen schocken Anleger (20.04.2026)

DAX im freien Fall: Straße von Hormus erneut gesperrt – US-Angriff auf iranischen Frachter „Touska“ und gescheiterte Verhandlungen schocken Anleger (20.04.2026)
20 April 2026 Aus Von Michael Oluwafemi

Der deutsche Leitindex DAX droht zum Wochenstart kräftig ins Minus zu rutschen. Nach der starken Erholung am Freitag sorgt die erneute Eskalation im Nahen Osten für deutliche Verunsicherung. Die Straße von Hormus bleibt blockiert, der Iran hat seine kurzzeitige Öffnung zurückgenommen, und das US-Militär hat einen iranischen Frachter gestoppt. Viele Börsianer fragen sich: Wie lange hält diese Unsicherheit an und wie stark trifft das die deutsche Wirtschaft?

Am Freitag hatte der DAX noch kräftig zugelegt und bei 24.702,24 Punkten geschlossen – ein Plus von 2,27 Prozent. Auslöser war die Meldung des iranischen Außenministers, dass die strategisch wichtige Wasserstraße für alle Handelsschiffe vorübergehend frei sei. Diese Hoffnung verpuffte jedoch schnell. Bereits am Wochenende erklärte der Iran die Sperrung erneut. Grund: Die anhaltende US-Blockade iranischer Häfen und Schiffe.

Dramatische Wendung: US-Marine entert iranischen Frachter

Kurz nach Präsident Donald Trumps Ankündigung neuer Verhandlungsbereitschaft griff das US-Militär ein. Der iranische Frachter „Touska“ versuchte laut US-Angaben, die Seeblockade zu durchbrechen. Ein US-Zerstörer forderte das Schiff zum Stoppen auf. Als es nicht reagierte, schoss die USS Spruance ein Loch in den Maschinenraum. Präsident Trump bestätigte den Einsatz persönlich auf Truth Social. Das Schiff war auf dem Weg in die iranische Hafenstadt Bandar Abbas.

Der Iran reagiert hart. Solange die US-Blockade bestehe, bleibe die Straße von Hormus geschlossen, teilte die Marine der Revolutionsgarde mit. Teheran sieht „keine aussichtsreiche Perspektive“ für seriöse Gespräche. Gleichzeitig melden maritime Sicherheitsbehörden weitere Vorfälle: Iranische Schnellboote sollen auf mindestens einen Öltanker geschossen haben.

Marktexperte Thomas Altmann von QC Partners bringt die Stimmung auf den Punkt: „Alles, was die Börsen am Freitag gefeiert haben, ist aktuell wieder hinfällig.“ Die Phase der Unsicherheit verlängert sich. Eine rasche Normalisierung der Energiemärkte rückt in weite Ferne.

In den ersten vorbörslichen Indikationen zeichneten sich am Montagmorgen Verluste von rund einem Prozent ab. Der DAX startet damit deutlich schwächer in die neue Woche.

Von Rekordhoch zu Rücksetzer: Die Achterbahn des DAX

Noch im Januar 2026 hatte der DAX Geschichte geschrieben. Am 13. Januar kletterte der Index auf ein Allzeithoch von 25.507,79 Punkten und überschritt erstmals die Marke von 25.500 Zählern. Auf Schlusskursbasis stand er bei 25.420,66 Punkten – ein neuer Rekord. Seitdem hat der Index jedoch an Dynamik verloren. Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten machen sich nun besonders bemerkbar.

Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Etwa ein Fünftel des globalen Öls wird durch diese enge Passage transportiert. Jede Störung treibt die Ölpreise nach oben, erhöht die Inflationsgefahr und belastet energieabhängige Unternehmen in Deutschland. Höhere Energiekosten können Lieferketten stören und die ohnehin verhaltene Konjunktur weiter bremsen.

Konjunkturdaten und Berichtssaison im Hintergrund

Die geopolitischen Turbulenzen überschatten in dieser Woche wichtige Wirtschaftsdaten aus Deutschland. Am Dienstag veröffentlicht das ZEW-Institut seine Konjunkturerwartungen. Sie zeigen, wie optimistisch oder pessimistisch Finanzexperten die kommenden Monate einschätzen.

Am Donnerstag folgen Einkaufsmanagerdaten und am Freitag das ifo-Geschäftsklima. Diese Indikatoren sind entscheidend, um zu sehen, ob die reale Wirtschaft die positive Stimmung an den Finanzmärkten teilt oder bereits erste Belastungen spürt.

Gleichzeitig startet die Quartalsberichtssaison richtig durch. Am Dienstag berichtet Beiersdorf über seine Umsatzentwicklung. Aus den USA kommen Zahlen von Boeing und nach Börsenschluss von Tesla. Am Donnerstag legen unter anderem Sartorius, HELLA, Vossloh und SAP ihre Ergebnisse vor. Den Abschluss macht am Freitag ATOSS Software.

Anleger werden genau beobachten, ob die Unternehmen die aktuelle Unsicherheit bereits in ihren Ausblicken thematisieren oder ob sie weiterhin Zuversicht ausstrahlen.

Warum die Lage so brisant ist

Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem offenen Meer. Sie ist der einzige Seeweg für einen Großteil des Öls aus den Golfstaaten. Eine längere Blockade würde nicht nur die Energiepreise in die Höhe treiben, sondern auch den Welthandel beeinträchtigen. Deutsche Exporteure und Industrieunternehmen spüren solche Entwicklungen besonders schnell.

Trotz der Spannungen gibt es auch Hoffnungssignale. Präsident Trump hat US-Vertreter nach Islamabad entsandt, wo neue Gespräche stattfinden sollen. Ob der Iran daran teilnimmt, hängt jedoch von der Aufhebung der US-Blockade ab. Die Signale bleiben widersprüchlich.

Was Anleger jetzt beachten sollten

Geopolitische Krisen führen oft zu starken Schwankungen. Viele Experten raten in solchen Phasen zu Ruhe und einer breiten Streuung des Portfolios. Kurzfristig können Überreaktionen Chancen schaffen, langfristig entscheidet jedoch die reale wirtschaftliche Entwicklung.

In den nächsten Tagen stehen folgende Themen im Mittelpunkt:

  • Weitere Entwicklungen rund um die Straße von Hormus und mögliche neue Verhandlungen
  • Die ZEW-Konjunkturerwartungen am Dienstag
  • Die anlaufende Berichtssaison mit SAP und anderen DAX-Schwergewichten
  • Die Entwicklung der Ölpreise und deren Auswirkungen auf Inflation und Zinsen

Der DAX hat in den vergangenen Monaten bewiesen, dass er robust sein kann. Dennoch zeigt die aktuelle Situation erneut, wie eng der deutsche Aktienmarkt mit globalen Ereignissen verknüpft ist.

Ausblick: Zwischen Hoffnung auf Diplomatie und anhaltender Nervosität

Die Ereignisse der letzten Tage machen deutlich, wie schnell positive Nachrichten ins Gegenteil kippen können. Die kurze Euphorie über eine mögliche Öffnung der Straße von Hormus wich schnell neuer Ernüchterung. Ob sich die Lage in den kommenden Tagen entspannt oder weiter zuspitzt, bleibt offen.

Für Privatanleger gilt: Emotionale Entscheidungen vermeiden und die Entwicklungen aufmerksam verfolgen. Sollte eine diplomatische Lösung in Sicht kommen, könnte der DAX schnell wieder Fahrt aufnehmen. Bei anhaltender Blockade und weiteren Zwischenfällen sind jedoch weitere Rücksetzer möglich.

Der deutsche Aktienmarkt steht vor einer spannenden Woche. Geopolitik, Konjunkturdaten und Unternehmenszahlen treffen aufeinander. Bleiben Sie informiert – die kommenden Tage könnten entscheidend sein.

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