DAX nach Iran-Krieg im Minus: Warum das dicke Ende mit Gewinnwarnungen und neuer Inflationswelle erst noch kommt

DAX nach Iran-Krieg im Minus: Warum das dicke Ende mit Gewinnwarnungen und neuer Inflationswelle erst noch kommt
7 April 2026 Aus Von Michael Oluwafemi

Der deutsche Leitindex DAX hat in den letzten Wochen deutlich nachgegeben. Vom Allzeithoch bei rund 25.500 Punkten im Januar 2026 ist er auf etwa 23.168 Punkte gefallen – ein Rückgang von rund zehn Prozent allein im März. Auch Anfang April bleibt die Stimmung angespannt, mit leichten Schwankungen um die 23.000-Punkte-Marke.

Der Auslöser ist der anhaltende Krieg im Iran. Die Blockade der Straße von Hormus hat die weltweiten Öltransporte stark behindert. Durch diese wichtige Meerenge fließt normalerweise etwa ein Fünftel des globalen Öls. Seit der Sperrung fehlt viel Rohöl auf dem Markt, und die Preise sind stark gestiegen.

Der Brent-Ölpreis liegt derzeit bei über 109 bis 111 US-Dollar pro Barrel. Das ist ein Anstieg von rund 35 bis 60 Prozent seit Kriegsbeginn. Für Deutschland als energieabhängiges Land hat das direkte Folgen: Höhere Kosten für Benzin, Diesel, Heizöl und viele Produkte, die mit Transport oder Energie hergestellt werden.

Energiepreise treiben die Inflation in die Höhe

Im März 2026 ist die Inflationsrate in Deutschland auf 2,7 Prozent geklettert. Das ist der höchste Wert seit längerer Zeit. Besonders die Energiepreise sind um 7,2 Prozent gestiegen – der erste Anstieg seit Ende 2023. Ohne Energie und Lebensmittel liegt die Kerninflation bei etwa 2,5 Prozent.

Experten rechnen damit, dass dies nur der Anfang ist. Solange die Straße von Hormus blockiert bleibt, bleiben Öl und Gas teuer. Das wirkt sich auf viele Bereiche aus: Teurere Kraftstoffe erhöhen die Transportkosten, was Waren in den Geschäften verteuert. Auch Düngemittel und Chemikalien werden knapper, was die Preise für Lebensmittel weiter nach oben treiben kann.

Die Europäische Zentralbank steht vor einer schwierigen Entscheidung. Statt der erhofften Zinssenkungen könnten höhere Zinsen nötig werden, um die Teuerung zu bremsen. Das würde Kredite für Unternehmen und Privatleute verteuern und das ohnehin schwache Wirtschaftswachstum in Deutschland zusätzlich belasten.

Ist der DAX jetzt günstig? Die Bewertung im Detail

Auf den ersten Blick scheint der DAX nicht mehr so teuer wie früher. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt aktuell bei etwa 17 bis 18. Das bedeutet, dass Anleger für einen Euro erwarteten Gewinn der Unternehmen rund 17 bis 18 Euro zahlen.

Im Vergleich zu den letzten zehn Jahren ist das jedoch über dem Durchschnitt von etwa 14. Deutsche Aktien sind damit etwas teurer als gewohnt. In den USA liegt das KGV sogar noch höher bei rund 25. Dort sind die Unternehmen aber oft profitabler und wachsen schneller.

Der Krieg hat die Lage verändert. Besonders zins- und konjunktursensible Branchen wie Banken, Autowerte und Immobilien haben stark verloren. Diese Aktien leiden unter höheren Zinsen und einer schwächeren Wirtschaft. Energieversorger und einige Rohstoffwerte konnten dagegen zulegen.

Gewinnwarnungen drohen: Das dicke Ende steht noch bevor

Viele Experten warnen: Das Schlimmste für den DAX könnte erst noch kommen. In den nächsten Wochen und Monaten müssen zahlreiche Unternehmen ihre Gewinnprognosen nach unten korrigieren. Der Krieg hat Lieferketten gestört, und selbst bei einem schnellen Ende dauert es Monate, bis alles wieder normal läuft.

Ähnlich wie in der Corona-Zeit brauchen Reparaturen an Öl-Anlagen und neue Transportwege Zeit. Viele Firmen hatten mit einem raschen Kriegsende gerechnet und ihre Planungen nicht angepasst. Nun steigen die Kosten für Energie und Rohstoffe, während die Nachfrage in manchen Bereichen sinkt.

Besonders energieintensive und exportstarke Unternehmen in Deutschland spüren das stark. Die Konkurrenz aus Asien verschärft die Situation, weil einige Tanker umgeleitet werden und höhere Preise in anderen Regionen zahlen. Deutschland konkurriert so um knappe Energie.

Hoffnung auf Entspannung – aber Risiken bleiben hoch

In den letzten Tagen gab es immer wieder positive Signale. Aussagen von US-Präsident Trump über ein mögliches Kriegsende haben die Börsen zeitweise gestützt und den Ölpreis etwas gedrückt. Der DAX konnte sich phasenweise erholen.

Trotzdem bleibt die Lage unsicher. Das Ultimatum der USA an den Iran läuft weiter, und die Meerenge ist noch nicht frei. Solange das so ist, bleiben die Ölpreise hoch und die Unsicherheit groß. Viele Anleger warten ab, was zu schwankenden Kursen führt.

Einzelne Branchen bieten möglicherweise schon Chancen. Wer langfristig investiert, sollte aber genau prüfen. Nicht der ganze Markt ist gleich betroffen. Unternehmen mit starker Marktstellung oder geringer Abhängigkeit von Energie stehen besser da.

Strukturelle Probleme treffen auf die Kriegsfolgen

Der Iran-Krieg trifft Deutschland zu einer ohnehin schwierigen Zeit. Die Wirtschaft kämpft schon länger mit geringem Wachstum, hoher Energieabhängigkeit und anderen Belastungen. Nun kommen die Folgen des Konflikts hinzu: höhere Inflation, mögliche Zinserhöhungen und gestörte Lieferketten.

Führende Institute haben ihre Konjunkturprognosen für 2026 bereits gesenkt. Statt einer kräftigen Erholung droht eine längere Phase der Stagnation oder sogar leichte Rückgänge. Besonders die Industrie, die viel Energie braucht, ist betroffen.

Trotz allem haben Börsen in der Vergangenheit gezeigt, dass sie sich von solchen Schocks erholen können. Wenn der Konflikt abklingt und die Ölpreise fallen, könnte der DAX schnell wieder steigen. Bis dahin ist Vorsicht ratsam.

Tipps für Anleger in unsicheren Zeiten

Private Investoren sollten in dieser Phase ruhig bleiben und nicht aus Angst handeln. Eine gute Streuung des Geldes auf verschiedene Anlagen hilft, Risiken zu verringern. Wer neu einsteigen will, kann schrittweise vorgehen und auf stabile Unternehmen setzen.

Langfristig denken lohnt sich oft. Viele, die in schwierigen Phasen nicht verkauft haben, wurden später belohnt. Dennoch gilt immer: Nur Geld anlegen, das man längerfristig nicht braucht.

Der aktuelle Ölpreisschock erinnert daran, wie wichtig eine stabile Energieversorgung ist. Eine schnelle Lösung des Konflikts würde der Wirtschaft und den Börsen guttun. Bis es so weit ist, bleibt der Druck auf den DAX hoch. Gewinnwarnungen und mögliche weitere Rücksetzer stehen vielen Beobachtern zufolge noch aus.

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