Mercedes-Benz vor wichtiger Hauptversammlung: Schwache China-Zahlen belasten die Aktie

Mercedes-Benz vor wichtiger Hauptversammlung: Schwache China-Zahlen belasten die Aktie
16 April 2026 Aus Von Enid Burnett

Die Mercedes-Benz Aktie steht im April 2026 im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Viele Aktionäre blicken gespannt auf die Hauptversammlung am Donnerstag. Dort soll über die vorgeschlagene Dividende abgestimmt werden. Gleichzeitig kämpft der Autohersteller mit einem starken Rückgang der Verkäufe in China.

Im ersten Quartal 2026 sanken die weltweiten Auslieferungen um sechs Prozent auf rund 499.700 Fahrzeuge. Besonders dramatisch war der Einbruch im wichtigen chinesischen Markt: Dort gingen die Verkäufe um 27 Prozent zurück. In Europa legten die Verkäufe hingegen um sieben Prozent zu, in den USA sogar um 20 Prozent. Diese regionalen Unterschiede zeigen deutlich, wie unterschiedlich sich die Märkte entwickeln.

Das Unternehmen spricht von einem „Übergangsjahr“ in China. Viele ältere Modelle laufen aus, und neue Fahrzeuge sollen in den nächsten Monaten auf den Markt kommen. Ob das reicht, um gegen die harte Konkurrenz lokaler Hersteller zu bestehen, ist jedoch unklar. Viele Analysten bleiben skeptisch.

China als großes Problem: Warum die Verkäufe so stark einbrechen

China ist für Mercedes-Benz traditionell der größte Einzelmarkt. Der Rückgang auf etwa 111.600 Fahrzeuge im ersten Quartal ist der niedrigste Stand seit fast zehn Jahren.

Gründe dafür sind:

  • Auslaufende Modelle im Einstiegssegment
  • Sehr starker Preiswettbewerb durch chinesische Marken
  • Nachlassende Nachfrage nach Premium-Fahrzeugen in manchen Segmenten

Trotz des Rückgangs bleibt Mercedes optimistisch. Das Unternehmen setzt auf neue Modelle und eine stärkere Anpassung an den chinesischen Markt. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach Top-Modellen wie der G-Klasse und Maybach-Fahrzeugen weiter – in manchen Regionen sogar zweistellig.

Neues Elektro-Modell VLE: Luxus-Van mit 700 Kilometern Reichweite

Während die Verkäufe in China schwächeln, treibt Mercedes die Elektromobilität voran. Im April 2026 startet die Bestellphase für den neuen Mercedes-Benz VLE. Dieses rein elektrische Modell wird als „Grand Limousine“ positioniert. Es kombiniert den Komfort einer Limousine mit dem Platzangebot eines Vans.

Wichtige technische Daten des VLE:

  • 800-Volt-Technik für schnelles Laden
  • 115-kWh-Batterie
  • Über 700 Kilometer Reichweite nach WLTP
  • In nur 15 Minuten bis zu 355 Kilometer Reichweite nachladen
  • Leistung bis zu 305 kW (rund 415 PS) beim Allrad-Modell
  • Preise starten bei etwa 79.000 Euro für die Basisversion

Die Produktion läuft im spanischen Werk Vitoria. Erste Auslieferungen sind für den Sommer 2026 geplant. Später folgt eine noch luxuriösere Variante mit Kinobildschirm auf der Rückbank. Das Modell soll vor allem Familien und anspruchsvolle Kunden ansprechen, die viel Platz und hohe Reichweite brauchen.

Der VLE ist das erste Fahrzeug auf der neuen VAN.EA-Plattform. Mercedes will damit zeigen, dass es auch im Elektro-Bereich stark ist und neue Segmente erobert.

Kritik an der Dividende: Umweltschützer und Aktionärsgruppen protestieren

Auf der Hauptversammlung steht die Ausschüttung einer Dividende von 3,50 Euro pro Aktie zur Abstimmung. Das wären insgesamt über 3,3 Milliarden Euro.

Umweltverbände wie der BUND und die Kritischen Aktionäre halten diese Höhe für zu hoch. Sie fordern, mehr Geld in die Umstellung auf Elektromobilität und in Sparprogramme zu stecken. Das Unternehmen verteidigt die Dividende jedoch. Man wolle die Aktionäre auch in schwierigen Zeiten angemessen beteiligen.

Zusätzlich läuft ein Aktienrückkaufprogramm. Davon sind noch rund 1,7 Milliarden Euro übrig. Seit November 2025 hat Mercedes bereits über 13,6 Millionen eigene Aktien zurückgekauft. Das stützt den Kurs etwas.

Aktienkurs und Analysten-Meinungen: Was sagen die Experten?

Die Mercedes-Benz Aktie notiert derzeit bei etwa 54 bis 55 Euro. Seit Jahresbeginn hat sie rund elf Prozent verloren. Der Kurs liegt unter der 50-Tage- und der 200-Tage-Linie – ein Zeichen für eine eher schwache Entwicklung.

Die Analysten sind geteilter Meinung:

  • ODDO BHF senkte das Kursziel kürzlich von 43 auf 42 Euro und bleibt bei „Underperform“.
  • RBC hält an „Sector Perform“ fest und sieht ein Ziel von 56 Euro.
  • Viele Experten sehen das China-Risiko als großes Problem, loben aber die Stärke in den USA und Europa sowie die Fortschritte bei Elektrofahrzeugen.

Der neue elektrische GLC hat die höchste Bestellmenge aller Elektromodelle in der Firmengeschichte erreicht. Das zeigt: In manchen Bereichen läuft es gut.

Die detaillierten Quartalszahlen werden am 29. April veröffentlicht. Dann wird klarer, wie stark der Gewinn unter dem Absatzrückgang leidet.

Chancen und Risiken für Anleger

Chancen:

  • Starke Modelle im Luxus-Segment (G-Klasse, Maybach)
  • Neuer VLE als Hoffnungsträger im Elektro-Bereich
  • Attraktive Dividende und Aktienrückkäufe
  • Wachstum in den USA und Europa

Risiken:

  • Weiterer Druck in China durch lokale Konkurrenz
  • Hohe Kosten für die Elektro-Umstellung
  • Mögliche Kritik auf der Hauptversammlung
  • Allgemeine Unsicherheit im Autosektor

Die Aktie bleibt ein klassischer Zykliker. In guten Zeiten kann sie stark steigen, in schwierigen Phasen wie jetzt aber auch deutlich fallen.

Ausblick: Wird 2026 zum Wendepunkt?

Mercedes-Benz steht an einem wichtigen Punkt. Das laufende Jahr gilt als Übergangsjahr – besonders in China. Gelingt es, neue Modelle erfolgreich zu starten und den Elektro-Anteil weiter zu steigern, könnte sich die Lage bessern.

Der neue VLE zeigt, dass das Unternehmen innovativ bleibt und auf die Zukunft setzt. Gleichzeitig muss es die Kosten im Griff behalten und die Aktionäre bei Laune halten.

Für Anleger gilt: Wer langfristig an die Stärke der Marke Mercedes glaubt, sieht möglicherweise eine Einstiegschance. Wer kurzfristig denkt, sollte die Entwicklungen in China und die Quartalszahlen genau beobachten.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Mercedes den Abschwung in China stoppen kann und ob die neue Elektro-Offensive Früchte trägt. Die Hauptversammlung am Donnerstag gibt erste Hinweise darauf, wie die Aktionäre die Strategie bewerten.