Guggenheim stuft ServiceNow und Salesforce auf „Buy“: Kommt jetzt der Turnaround für SAP und die Software-Branche?
Die Software-Branche hat in den letzten Monaten schwere Zeiten erlebt. Viele Anleger fürchteten, dass künstliche Intelligenz klassische Unternehmenssoftware überflüssig machen könnte. Nun sorgt eine klare Botschaft von Guggenheim Partners für neuen Optimismus: Die Angst vor einer „SaaS-Apokalypse“ sei übertrieben. Die Investmentbank hat ServiceNow und Salesforce von „Neutral“ auf „Buy“ hochgestuft. Das hat die Kurse der beiden US-Titel spürbar nach oben getrieben – und könnte auch dem DAX-Schwergewicht SAP neuen Schwung geben.
Was genau hat Guggenheim gesagt?
Analyst John DiFucci von Guggenheim sieht bei beiden Unternehmen attraktive Einstiegschancen. Für Salesforce setzt er ein Kursziel von 228 US-Dollar, für ServiceNow bei 125 US-Dollar. Die Begründung ist nüchtern und überzeugend: KI wird die Branche verändern und Druck ausüben, aber sie wird die etablierten Plattformen nicht zerstören. Der Markt habe die Risiken zu stark in die Kurse eingepreist. Stattdessen bieten die aktuellen Bewertungen ein attraktives Risiko-Chancen-Verhältnis für geduldige Investoren.
ServiceNow und Salesforce haben in diesem Jahr deutliche Verluste hinnehmen müssen. ServiceNow notierte zeitweise über 30 Prozent im Minus, Salesforce sogar noch tiefer. Die Kurse spiegelten ein Worst-Case-Szenario wider – fast wie das Ende der klassischen Software-Modelle. Genau diese Übertreibung sieht Guggenheim jetzt als Chance.
Reaktion der Märkte: Deutliche Kurssprünge
Nach der Hochstufung legten die Aktien von ServiceNow und Salesforce am Mittwoch deutlich zu. ServiceNow gewann zeitweise mehr als sechs Prozent, Salesforce rund fünf Prozent. Das zeigt, wie sensibel der Markt auf positive Analystenstimmen reagiert – besonders nach einer längeren Durststrecke.
Auch SAP profitierte indirekt. Der Walldorfer Konzern konnte am gleichen Tag leichte Gewinne verzeichnen. Viele Beobachter sehen SAP als europäischen Profiteur einer besseren Stimmung im Software-Sektor. Der Konzern ist stark in Geschäftsprozessen verankert, hat die Cloud-Umstellung weit vorangetrieben und bleibt ein zentraler Partner für große Unternehmen.
Warum SAP anders aufgestellt ist
Im Vergleich zu Salesforce und ServiceNow steht SAP etwas robuster da. Der Konzern profitiert von seiner tiefen Integration in die IT-Systeme vieler Konzerne weltweit. Während Salesforce vor allem im Kundenmanagement (CRM) aktiv ist und dort direkte KI-Konkurrenz spüren könnte, ist SAP breiter aufgestellt. Die Nähe zu kritischen Unternehmensdaten macht SAP sogar interessant für KI-Anwendungen. Gleichzeitig ist die Abhängigkeit von reinen SaaS-Modellen weniger ausgeprägt als bei manchen US-Wettbewerbern.
SAP hat in den vergangenen Quartalen solide Fortschritte bei Cloud-Umsätzen gezeigt. Die nächste Ergebnisveröffentlichung für das zweite Quartal steht am 23. Juli 2026 an. Positive Zahlen könnten die positive Stimmung weiter verstärken.
Vergleich mit der Bank-of-America-Empfehlung im Mai
Es ist nicht das erste Mal, dass positive Analystenstimmen aus den USA der SAP-Aktie helfen. Mitte Mai hatte die Bank of America ServiceNow auf „Buy“ hochgestuft. Damals sprang die SAP-Aktie kurzzeitig um über 20 Prozent nach oben, gab die Gewinne aber später wieder ab. Die aktuelle Guggenheim-Empfehlung kommt zu einem ähnlichen Zeitpunkt – nur mit breiterer Wirkung, da beide großen US-Softwarehäuser gleichzeitig positiv bewertet werden.
Ob sich die Geschichte wiederholt, hängt vor allem davon ab, ob ServiceNow und Salesforce ihren Aufwärtstrend halten können. Beide Titel haben charttechnisch wichtige Hürden genommen. Bleibt die Zuversicht an der Wall Street erhalten, profitiert auch SAP.
Die größere Perspektive: KI als Chance und Risiko
Die Diskussion um KI in der Software-Branche ist komplex. Auf der einen Seite stehen Ängste vor disruptiven KI-Agenten, die traditionelle Programme ersetzen könnten. Auf der anderen Seite erkennen immer mehr Experten, dass etablierte Anbieter wie SAP, ServiceNow oder Salesforce ihre Plattformen mit KI-Funktionen aufrüsten und so wettbewerbsfähig bleiben können.
Guggenheim betont, dass traditionelle Software-Unternehmen weiter bestehen und in vielen Fällen sogar moderat wachsen werden. Die aktuell niedrigen Bewertungen bieten laut Analysten eine der besten Gelegenheiten für langfristig orientierte Investoren seit langer Zeit.
Bewertungen und Fundamentaldaten im Überblick
- ServiceNow: Nach dem Kursrutsch attraktiv bewertet. Das Unternehmen wächst weiter zweistellig und bleibt in seinem Kernbereich Workflow-Automatisierung stark positioniert.
- Salesforce: Deutlicher Rücksetzer im laufenden Jahr. Die Bewertung liegt weit unter historischen Durchschnitten. Guggenheim sieht hier klares Aufholpotenzial.
- SAP: Solide Bilanz, starke Marktposition in Europa und weltweit. Der Fokus auf Cloud und KI-Integration könnte in den kommenden Quartalen Früchte tragen.
Viele Analysten sehen den Software-Sektor insgesamt als unterbewertet an. Die jüngsten Hochstufungen könnten der Startschuss für eine breitere Erholung sein.
Was Anleger jetzt beachten sollten
Trotz des positiven Signals bleibt Vorsicht geboten. Die Entwicklung hängt stark von der weiteren Stimmung an der Wall Street ab. Sollten ServiceNow und Salesforce ihre Gewinne halten und ausbauen, steigen die Chancen für SAP deutlich. Kommt jedoch ein Rückfall in die alten Ängste, könnte der Aufschwung schnell wieder abebben.
Kurzfristig lohnt der Blick auf die Quartalszahlen von SAP Ende Juli. Gute Cloud-Zahlen und ein optimistischer Ausblick könnten zusätzlichen Rückenwind bringen. Langfristig bleiben fundamentale Stärke, Innovationskraft und die Fähigkeit, KI sinnvoll in bestehende Produkte zu integrieren, die entscheidenden Faktoren.
Fazit: Eine zweite Chance für Software-Investoren?
Die Hochstufung durch Guggenheim ist mehr als eine Einzelmeinung. Sie steht für einen möglichen Stimmungswechsel in einem wichtigen Technologiesektor. Für Anleger, die an die langfristige Bedeutung von Unternehmenssoftware glauben, könnten die aktuellen Kurse attraktive Einstiegsniveaus bieten – nicht nur bei ServiceNow und Salesforce, sondern auch bei SAP.
Die nächsten Wochen werden zeigen, ob es sich um einen nachhaltigen Turnaround handelt oder nur um eine kurzfristige Erholung. Wer geduldig bleibt und die Fundamentaldaten im Blick behält, könnte von einer besseren Stimmung in der gesamten Branche profitieren.

