Nel ASA Aktie vor dem nächsten Sprung? Diese Zahlen zeigen, ob die Wasserstoff-Wette jetzt dreht
Die Nel ASA Aktie bleibt eine der spekulativsten Wasserstoff-Aktien am europäischen Markt. Nach einer längeren Schwächephase richtet sich der Blick der Anleger nun wieder stärker auf die operative Entwicklung des norwegischen Elektrolyse-Spezialisten. Vor allem die jüngsten Auftragseingänge sorgen für neue Hoffnung. Gleichzeitig zeigen die Geschäftszahlen, dass der Weg zur nachhaltigen Profitabilität noch nicht geschafft ist.
Im zweiten Quartal 2026 konnte Nel beim Auftragseingang deutlich zulegen. Das Unternehmen meldete Bestellungen im Wert von 230 Millionen norwegischen Kronen. Gegenüber dem ersten Quartal entspricht das einem Anstieg von 171 Prozent, im Jahresvergleich sogar von 224 Prozent. Besonders wichtig: Rund 96 Prozent des neuen Auftragseingangs entfielen auf den Bereich PEM-Elektrolyseure.
Auch der Auftragsbestand entwickelte sich im zweiten Quartal positiv. Zum Ende Juni lag er bei 1,213 Milliarden norwegischen Kronen. Damit stieg der Bestand gegenüber dem ersten Quartal um 9 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresquartal lag er allerdings noch 3 Prozent niedriger. Die Entwicklung zeigt deshalb ein gemischtes Bild: Die Nachfrage zieht wieder an, aber das Unternehmen muss daraus erst dauerhaft steigende Umsätze und bessere Margen entwickeln.
Wasserstoff-Aktie mit neuem Schwung beim Auftragseingang
Für die Nel ASA Aktie ist der Auftragseingang derzeit einer der wichtigsten Faktoren. Der Wasserstoffmarkt befindet sich weiterhin in einer schwierigen Phase. Viele große Projekte werden später entschieden als ursprünglich geplant. Dadurch verschieben sich Umsätze und Investitionen.
Die Entwicklung im zweiten Quartal liefert jedoch einen Lichtblick. Nach einem relativ schwachen Jahresauftakt konnte Nel wieder deutlich mehr neue Aufträge gewinnen.
Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick:
| Kennzahl | Q2 2026 | Entwicklung |
| Umsatz aus Kundenverträgen | 153 Mio. NOK | -12 % zum Vorjahr |
| Gesamtumsatz und sonstige Erträge | 182 Mio. NOK | höher als Q1 |
| EBITDA | -155 Mio. NOK | weiterhin negativ |
| Auftragseingang | 230 Mio. NOK | +224 % zum Vorjahr |
| Auftragsbestand | 1,213 Mrd. NOK | +9 % gegenüber Q1 |
| Zahlungsmittel | 1,328 Mrd. NOK | solide, aber rückläufig |
Die Tabelle verdeutlicht das zentrale Problem der Nel ASA Aktie: Auf der kommerziellen Seite gibt es Fortschritte, während die Ertragslage weiterhin unter Druck steht. Der Umsatz aus Kundenverträgen sank im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 12 Prozent auf 153 Millionen norwegische Kronen. Das EBITDA fiel mit minus 155 Millionen Kronen deutlich negativ aus. Belastet wurde das Ergebnis unter anderem durch einen Effekt von 70 Millionen Kronen im Zusammenhang mit der Einigung mit Iwatani.
PEM-Elektrolyse wird zum wichtigsten Hoffnungsträger
Ein genauer Blick auf die Geschäftsbereiche zeigt, warum der Auftragseingang für Anleger besonders interessant ist. Die PEM-Sparte konnte im zweiten Quartal einen Auftragsbestand von 990 Millionen norwegischen Kronen ausweisen. Gegenüber dem ersten Quartal entspricht das einem Anstieg um 147 Millionen Kronen.
PEM-Elektrolyseure gelten als besonders flexibel und können unter anderem bei Anwendungen eingesetzt werden, bei denen die Wasserstoffproduktion stärker an die verfügbare Strommenge angepasst werden muss. Genau diese Flexibilität könnte in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Nutzung erneuerbarer Energien spielen.
Nel erhielt im April zudem einen Auftrag über rund 7 Millionen US-Dollar von einem öffentlichen Energieversorger in den USA. Die bestellten PEM-Anlagen sollen überschüssige Energie aus einem Wasserkraftprojekt nutzen und gleichzeitig zur Netzsteuerung beitragen. Die Inbetriebnahme ist für die erste Hälfte des Jahres 2027 vorgesehen.
Für die Nel ASA Aktie ist dieser Auftrag deshalb interessant, weil er zeigt, dass Elektrolyseure nicht nur als klassische Anlagen zur Wasserstoffproduktion eingesetzt werden können. Sie können auch Teil flexibler Energiesysteme sein. Ob sich daraus ein größerer Markt entwickelt, muss sich allerdings erst zeigen.
Neue Elektrolyse-Technologie soll Kosten senken
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die technologische Weiterentwicklung. Nel hat im Mai 2026 eine neue Generation seiner druckbeaufschlagten alkalischen Elektrolyseure kommerziell eingeführt. Nach Angaben des Unternehmens basiert die Plattform auf mehr als acht Jahren Entwicklungsarbeit und umfangreichen Tests eines Prototyps in Norwegen.
Das Ziel ist klar: Wasserstoffprojekte sollen einfacher, kostengünstiger und besser skalierbar werden.
Das könnte für Nel entscheidend sein. Denn hohe Kosten und lange Projektlaufzeiten haben den Ausbau der Wasserstoffwirtschaft in den vergangenen Jahren gebremst. Wenn die neue Technologie tatsächlich zu niedrigeren Systemkosten und einer einfacheren Projektabwicklung führt, könnte sich daraus langfristig ein Wettbewerbsvorteil entwickeln.
Für Anleger bleibt jedoch die entscheidende Frage offen: Wie schnell werden aus technologischen Fortschritten tatsächlich profitable Großaufträge?
Q1 2026 zeigte bereits die Probleme des Geschäftsmodells
Der Blick auf das erste Quartal 2026 macht deutlich, wie schwierig das Marktumfeld weiterhin ist. Nel erzielte damals einen Umsatz aus Kundenverträgen von 148 Millionen norwegischen Kronen. Das entsprach einem Rückgang von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
Das EBITDA lag bei minus 100 Millionen Kronen. Gleichzeitig fiel der Auftragseingang mit 85 Millionen Kronen deutlich niedriger aus als im ersten Quartal des Vorjahres. Der Auftragsbestand betrug Ende März 1,113 Milliarden Kronen.
Umso wichtiger ist die Erholung beim Auftragseingang im zweiten Quartal. Sie zeigt, dass sich die Nachfrage nicht vollständig aufgelöst hat. Dennoch muss Nel beweisen, dass die neuen Bestellungen auch in den kommenden Quartalen für höhere Umsätze sorgen.
Finanzielle Lage bleibt ein wichtiger Faktor
Neben Aufträgen und Technologie ist die finanzielle Ausstattung ein entscheidender Punkt für die Nel ASA Aktie. Ende Juni verfügte das Unternehmen über liquide Mittel von rund 1,328 Milliarden norwegischen Kronen.
Das ist weiterhin eine beträchtliche Summe. Allerdings lag der Cash-Bestand Ende 2025 noch bei 1,617 Milliarden Kronen und Ende des ersten Quartals 2026 bei rund 1,443 Milliarden Kronen. Der finanzielle Spielraum ist also weiterhin vorhanden, nimmt aber ab.
Für Anleger ergeben sich daraus zwei Seiten:
- Positiv: Nel verfügt weiterhin über finanzielle Mittel, um den laufenden Betrieb und die technologische Entwicklung zu finanzieren.
- Negativ: Solange das Unternehmen Verluste schreibt, besteht grundsätzlich das Risiko eines weiteren Mittelabflusses.
- Entscheidend: Die neuen Aufträge müssen langfristig in Umsatz, bessere Margen und einen geringeren Cash-Verbrauch übersetzt werden.
- Risiko: Eine anhaltend schwache Nachfrage könnte die Erholung erneut verzögern.
Der Jahresbericht 2025 zeigt die schwierige Ausgangslage. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 963 Millionen norwegischen Kronen und damit 31 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das EBITDA betrug minus 275 Millionen Kronen. Gleichzeitig sank der Cash-Bestand auf 1,617 Milliarden Kronen. Der Auftragseingang lag dagegen bei 1,126 Milliarden Kronen, während der Auftragsbestand zum Jahresende 1,319 Milliarden Kronen erreichte.
CEO-Wechsel erhöht die Unsicherheit
Zusätzliche Aufmerksamkeit verdient die Führung des Unternehmens. Nel teilte im Juni 2026 mit, dass CEO Håkon Volldal zurücktritt. Für Anleger ist ein solcher Wechsel grundsätzlich ein Faktor, den es zu beobachten gilt, insbesondere in einer Phase, in der das Unternehmen seine Strategie und operative Entwicklung weiter stabilisieren muss.
Die neue Führung wird vor allem daran gemessen werden, ob Nel seine technologische Position in konkrete Geschäftserfolge umwandeln kann. Dazu gehören steigende Auftragseingänge, eine bessere Auslastung der Produktionskapazitäten und eine schrittweise Verbesserung der Profitabilität.
Nel ASA Aktie: Chance oder zu großes Risiko?
Die aktuelle Situation lässt sich nicht eindeutig als Kaufsignal interpretieren. Zwar sprechen die steigenden Auftragseingänge und die wachsende PEM-Pipeline für eine Verbesserung der operativen Perspektiven. Gleichzeitig bleiben Umsatz und EBITDA unter Druck.
Für die Nel ASA Aktie kommt es deshalb auf mehrere Faktoren gleichzeitig an. Besonders wichtig wird sein, ob der Auftragseingang im zweiten Halbjahr auf einem höheren Niveau bleibt und ob die neuen Projekte tatsächlich zeitnah umgesetzt werden können.
Auch die neue alkalische Plattform muss sich im praktischen Einsatz beweisen. Ein technologischer Fortschritt allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, ob Kunden bereit sind, die Systeme in größerem Umfang zu bestellen und ob Nel damit attraktive Margen erzielen kann.
Der Wasserstoffmarkt selbst bleibt ein langfristiger Wachstumsmarkt mit großen Chancen. Allerdings sind die Investitionszyklen lang, Projekte kapitalintensiv und politische Rahmenbedingungen können sich verändern. Das macht Wasserstoff-Aktien grundsätzlich anfällig für starke Kursschwankungen.
Fazit: Bei der Nel ASA Aktie kommt es jetzt auf die Umsetzung an
Die jüngsten Zahlen liefern ein gemischtes, aber durchaus interessantes Bild. Der starke Anstieg des Auftragseingangs im zweiten Quartal 2026 ist ein positives Signal. Besonders die PEM-Sparte zeigt wieder mehr Dynamik. Gleichzeitig bleibt das Unternehmen klar defizitär, während der Cash-Bestand weiter sinkt.
Die Nel ASA Aktie bleibt damit vor allem eine Wette auf die Zukunft des grünen Wasserstoffs und die Fähigkeit des Unternehmens, seine Technologie erfolgreich zu vermarkten.
Für die kommenden Monate sind daher vor allem diese Punkte entscheidend:
- Entwicklung des Auftragseingangs
- Wachstum des PEM-Auftragsbestands
- Umsetzung neuer Kundenprojekte
- Entwicklung der EBITDA-Marge
- Cash-Verbrauch und finanzielle Stabilität
- Markterfolg der neuen alkalischen Plattform
- Auswirkungen des Führungswechsels
Unterm Strich hat sich die operative Ausgangslage gegenüber dem schwachen Jahresauftakt verbessert. Von einer nachhaltigen Trendwende kann jedoch noch nicht gesprochen werden. Anleger sollten deshalb nicht nur auf steigende Aufträge schauen, sondern vor allem darauf, ob Nel daraus in den nächsten Quartalen messbares Umsatzwachstum und bessere Ergebnisse entwickeln kann.
Die Nel ASA Aktie bleibt damit ein Wert mit hohem Potenzial, aber ebenso hohen Risiken. Für langfristig orientierte Anleger könnte die weitere Entwicklung des Wasserstoffmarktes interessant sein. Wer investiert, sollte jedoch die finanzielle Entwicklung und die tatsächliche Umsetzung der neuen Projekte genau im Blick behalten.

