SpaceX-Aktie unter Druck: Starship-Panne belastet den Kurs
Die Euphorie rund um den Börsengang von SpaceX ist vorerst verflogen. Nur wenige Wochen nach dem IPO gerät die Aktie des Raumfahrtkonzerns deutlich unter Druck. Ein abgebrochener Starship-Test, die Aussicht auf milliardenschwere Insider-Verkäufe und wachsende Skepsis an den Finanzmärkten haben den Kurs auf das niedrigste Niveau seit dem Börsengang gedrückt.
SpaceX-Aktie nähert sich dem Jahrestief
Am Freitag schloss die SpaceX-Aktie bei 108,40 Euro und notierte damit nur noch knapp 0,99 Prozent über dem bisherigen 52-Wochen-Tief von 107,34 Euro.
Die Dimension der Korrektur ist bemerkenswert:
- Über 30 Prozent Kursverlust innerhalb eines Monats
- Rund 44 Prozent unter dem bisherigen Rekordhoch
- Rund 100 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung seit dem Hoch ausgelöscht
Auch die technischen Indikatoren zeigen die angespannte Situation. Der 14-Tage-RSI ist unter die Marke von 35 Punkten gefallen und signalisiert damit einen überverkauften Markt. Gleichzeitig ist die 30-Tage-Volatilität deutlich gestiegen – ein Zeichen für die hohe Nervosität der Investoren.
Fehlgeschlagener Starship-Test löst Verkaufswelle aus
Der unmittelbare Auslöser der jüngsten Kursverluste war der abgebrochene Countdown für den 13. Starship-Testflug am 16. Juli 2026. Kurz vor dem geplanten Start erkannte das automatische Sicherheitssystem Probleme bei vier der insgesamt 33 Raptor-Triebwerke des Super-Heavy-Boosters und stoppte den Startvorgang.
SpaceX reagiert schnell
Nach dem Vorfall tauschte SpaceX zwei der betroffenen Triebwerke aus und nahm zusätzliche Anpassungen am Zünd- sowie Treibstoffsystem vor.
Der nächste Startversuch ist derzeit für den 23. Juli vorgesehen. Das Startfenster beträgt 90 Minuten ab 17:45 Uhr Ortszeit. Elon Musk deutete jedoch bereits an, dass sich der Flug möglicherweise auf den 24. Juli verschieben könnte.
Gerade dieser Test besitzt enorme Bedeutung. Es handelt sich um den ersten großen Starship-Flug seit dem Börsengang und gilt deshalb als wichtiger Vertrauensbeweis gegenüber den Kapitalmärkten.
Das eigentliche Risiko: Milliarden an Insider-Aktien kommen auf den Markt
Mindestens ebenso stark belastet den Aktienkurs das bevorstehende Ende der sogenannten Lockup-Periode. Nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen Anfang August dürfen Insider und frühe Investoren schrittweise insgesamt bis zu 911,5 Millionen Aktien verkaufen. Zum aktuellen Börsenkurs entspricht dies einem potenziellen Verkaufsvolumen von rund 115 Milliarden US-Dollar.
So läuft die Aktienfreigabe ab
Die Freigabe erfolgt gestaffelt:
- nach 70 Tagen
- nach 90 Tagen
- nach 105 Tagen
- nach 120 Tagen
- nach 135 Tagen
Jeweils 7 Prozent der gesperrten Aktien werden dabei handelbar. Weitere Freigaben folgen im Dezember. Besonders kritisch ist dabei das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. Aktuell befinden sich lediglich rund 640 Millionen Aktien im Free Float. Kommen nun zusätzlich hunderte Millionen Wertpapiere auf den Markt, könnte dies erheblichen Verkaufsdruck erzeugen.
Eine Ausnahme gilt allerdings für Elon Musk. Seine persönlichen Anteile bleiben bis Juni 2027 gesperrt und sind von der aktuellen Lockup-Welle nicht betroffen.
Short-Seller profitieren von der Kursschwäche
Die fallenden Kurse haben zahlreiche Leerverkäufer angelockt. Schätzungen zufolge sind mittlerweile rund 30 Prozent des frei handelbaren Aktienbestands leerverkauft. Die Buchgewinne der Short-Seller werden derzeit auf rund 4 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Auch der Anleihemarkt signalisiert steigende Vorsicht. Nach der Emission von Unternehmensanleihen im Volumen von 25 Milliarden US-Dollar nach dem IPO stiegen sowohl die Anleiherenditen als auch die Kosten für Credit Default Swaps (CDS), die Investoren gegen Zahlungsausfälle absichern.
Dem gegenüber stehen jedoch erste institutionelle Käufe. ARK Invest von Cathie Wood nutzte die jüngste Kursschwäche und kaufte SpaceX-Aktien im Wert von rund 51 Millionen US-Dollar.
Analysten bleiben gespalten
An der Wall Street gehen die Meinungen zur Bewertung von SpaceX weit auseinander.
Optimistische Analysten verweisen auf:
- die weltweite Marktführerschaft bei kommerziellen Raketenstarts,
- das starke Wachstum von Starlink,
- langfristiges Potenzial im Raumfahrtgeschäft.
Skeptiker sehen dagegen erhebliche Risiken:
- hohe Investitionskosten,
- anhaltend negative Cashflows,
- steigender Finanzierungsbedarf,
- unsichere Profitabilität neuer Geschäftsbereiche.
Diese gegensätzlichen Einschätzungen spiegeln sich in einer ungewöhnlich breiten Spanne der Kursziele wider.
Starlink bleibt der wichtigste Gewinnbringer
Während das Raumfahrtgeschäft enorme Investitionen verschlingt, entwickelt sich Starlink zunehmend zum finanziellen Rückgrat des Konzerns.
Die wichtigsten Kennzahlen
| Kennzahl | Wert |
| Starlink-Umsatz 2025 | 11,4 Mrd. US-Dollar |
| Umsatzwachstum | +48 % |
| Operativer Gewinn | 4,4 Mrd. US-Dollar |
| Abonnenten | 12 Millionen |
| Verfügbare Länder | 164 |
Demgegenüber belastet insbesondere die KI-Sparte das Ergebnis.
- Verlust KI-Sparte 2025: 6,4 Milliarden US-Dollar
- Konzernumsatz 2025: 18,67 Milliarden US-Dollar
- Umsatz Q1 2026: 4,6 Milliarden US-Dollar
- Nettoverlust Q1: über 4 Milliarden US-Dollar
Für das zweite Quartal erwarten Analysten einen Umsatz zwischen 5,3 und 8,1 Milliarden US-Dollar. Der prognostizierte Verlust je Aktie liegt zwischen 0,12 und 0,42 US-Dollar.
Diese Risiken sollten Anleger im Blick behalten
Mehrere Faktoren könnten den Aktienkurs in den kommenden Monaten weiterhin belasten:
- Lockup-Freigaben: Millionen neuer Aktien könnten zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugen.
- Starship-Entwicklung: Weitere technische Rückschläge würden das Vertrauen der Investoren beeinträchtigen.
- Hoher Kapitalbedarf: Raumfahrt, KI und Infrastruktur verschlingen weiterhin Milliardeninvestitionen.
- Hohe Volatilität: Junge Technologieunternehmen zeigen nach dem Börsengang häufig starke Kursschwankungen.
Darauf richtet sich jetzt der Blick der Anleger
Kurzfristig dürfte sich nahezu alles auf den nächsten Starship-Testflug am 23. beziehungsweise 24. Juli konzentrieren. Ein erfolgreicher Test mit planmäßigem Flugverlauf könnte das Vertrauen in die Technologie stärken und der Aktie kurzfristig Auftrieb geben.
Anfang August folgt dann der erste große Härtetest an den Finanzmärkten: der erste Quartalsbericht seit dem Börsengang. Besonders aufmerksam werden Investoren dabei auf die Entwicklung der Starlink-Abonnenten, den Cashburn im Raumfahrtgeschäft sowie Details zu den bevorstehenden Insider-Verkäufen achten.
Fazit
Die SpaceX-Aktie befindet sich aktuell an einem kritischen Wendepunkt. Während Starlink weiterhin hohe Wachstumsraten und stabile Gewinne liefert, sorgen technische Unsicherheiten beim Starship-Programm, milliardenschwere Investitionen sowie die bevorstehende Freigabe von Insider-Aktien für erheblichen Druck auf den Kurs.
Ob sich die jüngste Korrektur als attraktive Kaufchance erweist oder der Abwärtstrend anhält, dürfte sich bereits in den kommenden Wochen entscheiden. Der nächste Starship-Test und die ersten Quartalszahlen nach dem Börsengang könnten die Richtung für die Aktie maßgeblich vorgeben.

