Five Guys Deutschland tief in den roten Zahlen – Millionenverluste gefährden Zukunft

Five Guys Deutschland tief in den roten Zahlen – Millionenverluste gefährden Zukunft
26 November 2025 Aus Von Daniel Hoffmann

Die US-Burgerkette Five Guys, die in den vergangenen Jahren in Deutschland mit hohem Tempo expandierte, steckt hierzulande offenbar tiefer in den roten Zahlen als bisher angenommen. Nach Informationen aus dem aktuellen Geschäftsbericht weist die deutsche Tochtergesellschaft erneut einen massiven Verlust aus – und muss sich nur dank finanzieller Unterstützung des europäischen Mutterkonzerns über Wasser halten.

Hohe Erwartungen – ernüchternde Realität

Als Five Guys 2017 in den deutschen Markt einstieg, galt die Kette vielen Beobachtern als ernstzunehmender Herausforderer für etablierte Fast-Food-Marken. Innerhalb kürzester Zeit wurden neue Standorte in Toplagen eröffnet, darunter in Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt und München. Das Konzept – frische Zutaten, individuell zusammengestellte Burger – traf zunächst auf Neugier und hohe Kundenfrequenz.

Doch die Expansion hatte ihren Preis: Die nun veröffentlichten Zahlen zeigen deutlich, dass das Wachstum vor allem durch Investitionen und hohe laufende Kosten getragen wurde. Die deutschen Filialen erwirtschafteten auch im vergangenen Geschäftsjahr keinen Gewinn. Der jüngste Jahresfehlbetrag beläuft sich laut Unterlagen auf rund 8 Millionen Euro. Die kumulierten Verluste der vergangenen Jahre summieren sich damit auf weit über 60 Millionen Euro.

Strukturelle Probleme statt Einzelfall

Branchenspezialisten sehen darin kein temporäres Problem, sondern eine strukturelle Schwäche des Geschäftsmodells in Deutschland. Die Preise – an vielen Standorten kostet ein Menü aus Burger, Pommes und Getränk deutlich über 20 Euro – liegen über dem Niveau der meisten Wettbewerber. Gleichzeitig steigen Personal-, Energie- und Mietkosten kontinuierlich.

Konsumenten reagieren sensibler, seit sich die wirtschaftliche Lage verschärft hat. „Premium-Fast-Food funktioniert in Deutschland nur mit klarer Differenzierung“, sagt Gastronomie-Analystin Jana Holmer. „Five Guys bietet Qualität, aber keine Einzigartigkeit. In Zeiten hoher Inflation wird das zum Problem.“

Bilanziell überschuldet – und doch betriebsfähig

Besonders brisant: Der Geschäftsbericht weist erneut eine „bilanzielle Überschuldung“ aus. Das bedeutet, dass die Verbindlichkeiten der deutschen Gesellschaft höher sind als ihre Vermögenswerte. Normalerweise wäre dieser Zustand ein Insolvenztatbestand.

Dass Five Guys Deutschland dennoch nicht zahlungsunfähig ist, verdankt das Unternehmen ausschließlich seinem Eigentümer. Die Five Guys Europe, eine britische Gesellschaft, die zum Investmentportfolio eines bekannten Londoner Unternehmers gehört, hat sich verpflichtet, die deutsche Tochter bis mindestens 2026 finanziell zu stützen.

Insider berichten jedoch, dass diese Garantiezusage intern durchaus kritisch gesehen wird. „Die Geduld der Investoren ist nicht grenzenlos“, sagt eine Person aus dem Umfeld der Marke. „Die Standorte müssen mittel- bis langfristig eigenständig funktionieren – bisher ist das nicht der Fall.“

Druck wächst: Zukunft der Standorte ungewiss

Während die Zentrale in Düsseldorf nach außen betont, man arbeite an der Optimierung der Prozesse, sind mehrere Filialen in den vergangenen Monaten ins Visier von Branchenbeobachtern geraten. Besonders Standorte in Bestlagen wie der Düsseldorfer Altstadt oder der Hamburger Innenstadt gelten als kostspielig.

Ob weitere Restaurants geöffnet oder möglicherweise geschlossen werden, lässt Five Guys offen. Eine Anfrage zu strategischen Plänen ließ das Unternehmen unbeantwortet.

In der Düsseldorfer Filiale an der Flinger Straße ist vom wirtschaftlichen Druck derweil wenig zu spüren. Der Laden wirkt auch unter der Woche gut besucht: Studierende, Touristen, Familien. „Klar ist es teuer, aber wir mögen den Geschmack“, sagt ein Kunde. Dennoch zeigt ein Blick auf Bewertungsplattformen, dass viele Gäste den Preis als überhöht wahrnehmen.

Qualität versus Wirtschaftlichkeit

Five Guys argumentiert seit jeher, dass die Frische der Zutaten – täglich geliefertes Fleisch, handgeschnittene Pommes, keine Tiefkühlware – höhere Preise rechtfertige. Doch das reicht offenbar nicht aus, um in Deutschland ein stabiles, profitables Geschäftsmodell zu etablieren.

„Fünf Euro für eine kleine Pommes – das ist für viele einfach zu viel“, sagt Gastronomieexperte Markus Lenz. „Der Wettbewerb ist enorm. Für das gleiche Geld bekommt man in anderen Konzepten mehr Auswahl, Sitzplätze oder Komplettmenüs.“

Warten auf den Wendepunkt – oder den Käufer

Ein Bericht des britischen Wirtschaftssenders Sky News sorgte zuletzt für zusätzliche Unruhe: Demnach prüft der Eigentümer von Five Guys Europe derzeit den Verkauf von Teilen des europäischen Geschäfts. Die deutsche Tochter gilt dabei als besondere Herausforderung.

Ob Five Guys Deutschland langfristig bestehen bleibt, hängt daher nicht nur vom Umsatz in den Restaurants ab, sondern auch von den strategischen Entscheidungen des Londoner Besitzers.

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